Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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im Volksleben bezeichnen kann, sieb deutlich vom Hintergrunde abhebt» Seit Jahrzehnten hat hier der Zionismus wertvollste Vorarbeit geleistet« Immer und immer wieder hat er betont, daß das jüdische Volk keineswegs an irgendeine Wirtschaftsform zwangsläufig gebunden ist, daß Kulturauffassungen unter keinen Umständen in der Lage sind, das Wesen des jüdischen Volkes auf die Dauer zu beeinflussen. Das, was den immanenten Charakter des jüdischen Volkes bildet und was sich logisch niemals begründen, sondern nur intuitiv empfinden läßt, also das wirklich Irrationelle ist vom Zionismus stets in den Vordergrund gerückt worden. Der erste Satz des Basler Programms enthält lediglich eine, wenn auch sehr wichtige praktische Auswirkung dieser Auffassung, Auch hier findet in geistiger Hinsicht eine Art Assimilation statt, die sich niemals vermeiden läßt; stets hat nämlich das Judentum geistige und kulturelle Strömungen der Zeit in sich aufgenommen und seinem Wesen gemäß verarbeitet. Im Altertum war es den damaligen Verhältnissen entsprechend die Kultform, insbesondere der Opferkult, im Mittelalter war es die Auseinandersetzung mit dem Griechentum, insbesondere mit dem Piatonismus und dem Aristotelismus, in der neuesten Zeit eben die Einwirkung des Rationalismus, des Liberalismus und des Sozialismus. Wenn als Erscheinungsform des Irrationellen heute, insbesondere in Deutschland, als herrschende Meinung vertreten wird, daß dieses Irrationelle in Rasse und Blut wurzle, daß das Volkstum sich nur auf eigenem Grund und Boden betätigen könne, so hat das Baslex^f^oSramm^l^ese Auffassung "bereiflr fur^dais-^ttdistm^^ zur Geltung"HIeE^ die tiefen Grrad-'' lagen tü^ ,immeiu4ikH»er'-TO der * kommenden Generation zum dauernden Besitz ihres Wesens und Lebens zu gestalten. Das Volk des Buches, der Bibel, aus der von jeher all die verschiedensten Auffassungen hergeleitet wurden, muß auch heute wieder sich in weitestgehendem Umfange auf diesen seinen Erbbesitz besinnen. Die Bibelauslegungen haben das jüdische Volk durch die Jahrtausende gestützt und aufrechterhalten. Das muß auch heute wiederum die Grundlagen für unser Sein und Denken bilden. Dabei soll niemals außer acht gelassen werden, daß trotz allen Einflusses, den von außen kommende geistige Strömungen auf das Judentum ausgeübt haben, dieses immer wieder aus sich heraus das große Nein all dem entgegengesetzt hat, was seinem Wesen nicht entsprach. Deshalb können auch Blut und Rasse allein niemals ausschließlich Grundlage für das Judentum sein, sondern nur in gewisser Richtung erfolgt ein Aufbau auf dieser Grundlage* Auch Blut und Rasse gehören der Erde an; das Judentum kann seinem ganzen Wesen nach, will es sich nicht selbst aufgeben, keine auf nur diese Elemente gestützte Auffassung für sich für grundlegend erklären, stets muß es von dem Gedanken geleitet sein, daß es eine Beziehung zum rein Geistigen, zum Transzendenten als Grundlage seines ganzen Daseins hat. Aber diese Auseinanderetzung kann nicht mehr vom Standpunkt des Liberalismus und seiner Humanitätsidee aus erfolgen, sondern nur vom Wesen des jüdischen Volkes selbst aus, daß das geistige transzendente Prinzip zwar der Zeit jeweilige Zugeständnisse machen, niemals aber sich selbst verleugnen dürfe. Wenn die in Deutschland lebenden Juden dies nicht sehen wollen, so beweisen sie damit eine fast an Blindheit grenzende Kurzsichtigkeit. Dann werden sie sich aber darüber klar werden müssen, daß sie, wenn sie an ihren bisherigen Auffassungen festhalten, vor allem geistig und seelisch zugrunde gehen müssen. Nur eine bewußte Abkehr von den Gedankenrichtungen, die die letzten Generationen beherrscht haben, wird hier Rettung bringen können« Damit soll keineswegs gesagt sein, daß eine starre Befolgung des Ritualgesetzes 69