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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 54

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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Geschichte des Jüdischen Volkes, dem der Schlußband bald folgen soll (Verlag Kedem, Berlin, 1936J. Schon der Titel sagt, daß die Geschichte der Juden als ein Kampf betrachtet werden soll, und damit stellt sich dieses Buch wohl bewußt in Gegensatz zu Grätz, für den jüdische Geschichte gleichbedeutend mit Leidensgeschichte ist; Theilhaber verwendet den ganzen wissenschaftlichen Apparat, der zur Verfügung steht, er bringt entlegenste Angaben, um eine Meinung zu erhärten oder um Tatbestände neu zu erhellen« Bei alledem ist jedoch aller Ballast fortgelassen, Namen und Zahlen werden auf das Notwendigste beschränkt, und so kann man aus dieser Darstellung keine elementaren Kenntnisse entnehmen, sie ist kein Kompendium, sondern eine gedrungene Uebersicht, die dem Kenner der jüdischen Geschichte mehr bietet als dem Neuling; lesenswert in jedem Fall, weil das Ganze mit Schwung und Temperament eine Linienführung im Großen gibt. Hier wird auf knapp 200 Seiten mehr gesagt, als man erwarten dürfte. Theilhaber sieht jene alte Zeit kritisch-historisch. Vor allem ist die moderne Bibelkritik ausgiebig verwertet, die noch immer zum größten Teil in den Händen der nichtjüdischen Theologen liegt. Dadurch ist manches vielleicht nicht so sehr von innen heraus gestaltet, wie man es gern sehen möchte. Das Herausstreichen wirtschaftlicher und soziologischer Momente entstammt einer streng ducrhgeführten materialistischen Auffassung, die aber vieles in einem gänzlich, neuen Licht zeigt. Der Kampf ist ein Kampi.Jims- Leben, und das Kulturelle isTneben allem anderen eine Funktion dieses Lebenskampfes, der sich in einem bestimmten Milieu, in einer bestimmten Zeit abspielt. Das Nicht- Materielle, das spezifisch Ideelle einer einmaligen Menschengruppe kommt dabei entschieden zu kurz. Daß Theilhaber jeglichen Supranaturalismus ablehnt, erscheint hierfür noch nicht einmal ausschlaggebend. Aber es ist zu eng gegriffen, wenn zweitausend Jahre jüdischer Geschichte nur unter Eingegangene Bücher 1. Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift, nach dem dem Gesichtswinkel einer stetig fortschreitenden sittlichen Entwicklung gesehen werden. Schon bei der Betrachtung der Propheten hätte die Frage auftauchen können: wie ihre Stellungnahme zum Staat, politisch und unpolitisch zugleich, die Existenz eines Judentums ohne Staat zu sichern be]gm Und d^ des Talmuds wird gleichfalls nicht in ausreichendem Maße charakterisiert. So bleibt in dieser Darstellung das eigentliche Wunder der Entstehung und Erhaltung des Judentums ungeklärt. Alles jedoch, was sich in der Ebene der konkreten Tatsachen abspielt, wird mit einer Plastizität geschildert, die mitreißend wirkt. Da gilt keine verstaubte Gelehrsamkeit, sondern mit wenigen sicheren Strichen werden die Menschen gezeichnet, die ihre Zeit bestimmten und ihre Ideen zur Tat werden ließen. Ohne daß es jemals aufdringlich wirkt, wird hier mit einer Offenheit und Frische gesprochen, die alles Vertuschen haßt, und um deutlich und eindeutig zu sein, manchmal bis ins Burschikose geht. So hat diese Darstellung Vorzüge und Mängel. Sie geht mehr, um es kurz zusammenzufassen, ins Psychologische als ins Philosophische. Aber man kann dieser jüdischen Geschichte Theilhabers, und das hebt sie aus ähnlichen Versuchen heraus, den Zug ins Genialische nicht absprechen. Hier sieht ein Forscher, der mit der Materie vertraut ist, alles eigenwillig, — wie es nur möglich ist, wenn die vielfachen Probleme unter ein Leitmotiv gebracht werden: das Leben ist ein immerwährender Kampf,nuiid-^day^Iü^^lve Volk hat diesen Kampf bestandenr Und die Liebe zu diesem Volke spricht aus jeder Zeile, wenn mit Pathos das Große bewundert und Schwäche und Versagen schonungslos gegeißelt werden. So bleibt das Studium von Theilhabers Werk fruchtbar, gleichgültig, wie man im einzelnen zu seinen Auffassungen und Ergebnissen steht. Man nimmt etwas mit bei der Lektüre dieses Buches, und das ist das beste, was man einem Schriftsteller sagen kann. Werner Bab (Berlin). masoretischen Texte. Unter der Redaktion von Dr. Zunz, übersetzt von 54

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