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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 52

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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jüdischen Dichter ausmacht, „sondern allein der Geist der Heiligkeit in dem und aus dem heraus er den weiten Bereich des Lebens gestaltet/' Dieser Satz enthält sicherlich eine Wahrheit und ernste Mahnung zugleich und darf daher nur mit großem Verantwortungsgefühl gebraucht werden« Wem aber heule dieses und morgen ein anderes heilig ist, wer sogar einmal — unser Kritiker dichtete auch selbst — die Symbolik eines anderen Glaubens zum Ausdruck seiner dichterischen Sprache machen konnte, um heute in veränderter Situation dem jüdischen Geist — nun nicht sich ehrfürchtig zu nähern, sondern ihm die Richtlinien seines Kulturlebens vorzuzeichnen, dessen Führung vermögen wir nicht zu folgen. Wir haben jeden Respekt vor der Ehrlichkeit anderer Gesinnung, wenn sie, woran nicht zu zweifeln ist, echt und wahr ist, auch wenn ihre Wurzeln nicht im Jüdischen wachsen* Denn es gibt innere Entwickelungen und wir haben mehr als einen gesehen, der, erschüttert von der Zeit, heimfand und begann, der Väter Weisheit, ihre Sprache und ihr Schrifttum, ihre Gedankenwelt und ihre Geschichte in sich aufzunehmen. Wer aber soweit entfernt gewesen, um ganz aus dem Geist einer anderen Religion dichten zu können, der —- wir zitieren ihn selbst — tfmöge Geduld und Ehrfurcht vor der eigenen Natur haben, er fordere ihr nicht mit gewaltsamem Entschluß vorschnell unmögliche Leistungen ab." Von einem bekannten Gelehrten der Philosophie gab es ein Scherzwort: Am ersten Tage lernte er Kant, am zweiten Tage lehrte er Kant, am dritten Tage kritisierte er Kant. Wir aber wollen in dem Raum jüdischer Kulturbetätigung, der uns blieb, nicht solche Lehrer und Kritiker, die gestern erst gelernt haben, sondern Menschen, die mit jüdischem Geist und jüdischem Volk sich immer aufs engste verbunden gefühlt haben und deren tiefste Liebe der Erweckung jüdischer schöpferischer Leistung galt und gilt. S. E. Die Juden der Weft Gegenwart und Geschichte des Judentums in allen Ländern der Welt. Von Mark Wischnitzer. (Kartoniert RM 4,50, Leinen RM 6,80), Erich Reiss Verlag, 1935. In der mündlichen Kritik gelangt das verdienstvolle Buch bisher nicht ganz zu seinem Recht. Man hält sich allzu sehr bei dem auf, was es nicht ist. Gewiß: es ist keine Soziologie der Juden, keine zusammenhängende Darstellung der Wanderbewegungen, kein statistisches Handbuch und keines für Auswanderer, und eine jüdische Geschichte schon gar nicht. Es gibt hier auch kein Benjamin von Tudela, Jakob Saphir oder E. N. Adler von Ghetto zu Ghetto Selbstgeschaut es wieder. Aber von alldem ist und enthält dies außerordentlich lebendige Buch etwas, und es steckt schon ein tüchtiges Stück Arbeit darin. Von mehr als hundert Ländern und Inselländchen werden Geschichte ihrer Juden, gegenwärtige Lage und Zukunftsmöglichkeiten frisch und lebensnah skizziert. (Selbst die jüdischen Zeitungen sind angeführt.) Es ist beinahe unglaublich, was sich alles auf diesen 432 Seiten findet: Afghanistan und Azoren, Bahama-Inseln, Barbados und Britisch-Ostafrika, Ceylon und Curacao, Euboea, Jamaica, Korfu, Kurdistan, Malta, Sudan, Surinam bis Zantel Ein geschickt in die äußere Lage der „Judenheiten" einführendes Lesebuch, zu dem übrigens, wie ich mich überzeugen konnte, auch Jugendliche mit Interesse greifen. Es könnte, wenngleich das kaum sein Zweck war, durchaus zur Belebung des Geschichts¬ und Erdkundeunterrichts wie auch für jüdische Gegenwartskunde herangezogen werde». Aber auch ein guter Kenner jüdischer Geschichte wird, rjgHi?fr wenn er obendrein Liebhaber exotisch-jüdischer Geschichtsspezialitäten und gar noch Briefmarkensammler ist, manches Neue erfahren. Conrad Kaiser. 52

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