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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 51

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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Buchbesprechungen Fritz Rosenthal <Ben Chorin) »Das Mal der Sendung« (B. Heller-Verlag, München 1935, 73 S,) Es ist tief in der Haltung unseres Volkes begründet, das inmitten des Geschehens noch betrachtet, daß die umwälzende Veränderung der jüdischen Situation so schnell in den literarischen Dokumenten unserer Zeit ihren Ausdruck gefunden hat. Dabei erscheint es natürlich, daß neben dem wissenschaftlichen und belehrenden Werk, das dem Hindrängen zu den Quellen des Judentums entgegenkommt oder dem gleichnishaften Judenroman, der am historischen oder aktuellen Stoff die Gesetzmäßigkeit jüdischen Schicksals erkennen läßt, das lyrische Wort verstärkt sich Gehör verschafft. Fritz Rosenthals neue Gedichtfolge ist frei von jeder empfindsamen, nur auf ästhetische Wirkung bedachten Manier, Hier wird ein akzentuiert männlicher Ton hörbar, ein entschlossener Wille zu einem festen Ziele hin, das freilich erst erreicht sein wird, „wenn Gott sich und Israel trafen". Denn dieser Dichter glaubt, glaubt an die religiöse Kraft und an die volkliche Zukunft des Juden* Seine Motive entnimmt er zum großen Teil der Ueberlieferung unseres Schrifttums« Es ist gewiß nicht gleichmäßig, was hier geboten wird. Im Judith-Gedicht verführt den Dichter der Stoff zu einer überstarken Realistik, die zur Schwäche wird*, während gleich darauf Esthers Gestalt blaß und wenig bildhaft daneben bleibt. Doch manches spricht auch mit dem lebendigen Hauch unserer Zeit, etwa die wissende Resignation der „Menschen" oder der sehnsuchtsvolle Gruß an die Pioniere, die nach Hule gehen: Die Bäche, die ihr grabet, und die Bäume, Die rauschend in den hellen Himmel ragen, Sind stolzer als die kühnsten Jugendträume: Sie sind des neuen Volkes Heldensagen. Bei der kritischen Würdigung dieser und ähnlicher Neuerscheinungen wird letztens oft die Frage laut, wie weit wir spezifische „Jüdische Dichtungen" vor uns haben, ob es sich um eigenartige jüdische Kulturleistung handelt« Wir meinen, daß eine Kritik, die am metrischen Gefüge oder am Rhythmus Aehnlichkeiten zu deutschen Versen feststellt, um dann zu dem Ergebnis zu gelangen, ,4aß die erregten jungen und älteren Leute, die jetzt in deutscher Sprache spezifisch jüdische Themen behandeln, durchaus nur deutsche Dichtung produzieren", das Problem wenig zu klären hilft. Denn eine solche Kritik wird weder dem künstlerischen Werk gerecht, um das es sich bei dieser modernen lyrischen Dichtung handelt — es sei nur in diesem Zusammenhang an Sturmann und Wolfskehl erinnert —, noch ihrer eigenen Aufgabe. Kritik soll fördern und ermuntern, soll auch wohl die Schwierigkeiten und die Möglichkeiten ihrer Ueberwindung zeigen, — schulmeisterliche Ironie frommt uns wenig. Wenn die Kritik aber, was ihr gutes Recht ist, glaubt, im besonderen Falle nicht fördern zu sollen, so genügt nicht die allgemeine Feststellung, daß es jüdische Dichtung in deutscher Sprache heute nicht gibt. Daß die Sprache, ihr Klang und ihr Rhythmus jeder Dichtung den Stempel ihrer Besonderheit aufdrückt, ist selbstverständlich; aber sind nicht die dichterischen Motive, der Geist, aus dem heraus gestaltet wird, die Tendenz des Dichters da, wo eine solchr vorhanden ist, vor allem über die Associationen und Vorstellungen, die die Dichtung bei uns, den Lesern, auslöst, die Wünsche, der Einsatz, die Begeisterung, der „dunklen Gefühle Gewalt", die sie weckt, ebenso entscheidende Faktoren, die man heranziehen muß, um auf die Frage, was jüdische Dichtung sei, die rechte und vorurteilslose Antwort zu geben? Sicherlich doch! Irgendwie empfindet das auch unser Kritiker, der bei einer anderen Gelegenheit, das Wort eines Rabbiners zitierend, feststellt, daß gewiß nicht das Behandeln jüdischer Stoffe den 51

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