Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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führungen an Schulen- und Liebhaberbühnen ist, wäre kulturell erzieherische Vorarbeit geleistet. Ebenso, wenn die Probleme eines biblischen oder eines modern hebräischen oder gar eines jiddischen Dramas in Form eines Preisausschreibens durch junge, jüdisch« Autoren bearbeitet werden und nach Prüfung durch eine hierfür geeignete Jury, deren Bildung sich im Interesse der Programmgestaltung als notwendig erweist, in propagandistisch vorbereiteten Aufführungen den Juden des Alltags zum Mitschwingen und Nachdenken bringt. Ein jüdisches Milieu auf der Bühne mit einem pulsierenden Leben muß doch den Juden im Parkett bis zum Rang mehr oder mindestens genau so packen, wie die Darstellung einer exotischen Tempelszene. Man braucht die Kultur der Umwelt nicht zu vernachlässigen — man kennt sie ja in unserer Generation, und zwar viel besser, als unsere eigene — man soll aber Motive jüdischen Volkslebens, jüdischer Geschichte, jüdischer Tragik, Motive, die ja gerade in uns die jüdische Substanz ausmachen, vor den Juden bringen und ihn erziehen, wie die Presse, Lehrhäuser, Verlage etc. es mit so erfreulichem Erfolg tun. Warum soll sich die Bühne dieser Erziehungsaufgabe entziehen? Auch den Schauspielern des JKB, denen das Charakteristische! was Schildkraut und all die anderen, die den Aelteren noch bekannt sind, von einem „Shylock" bis, sagen wir, zu einem „Professor Bernhardi" Körper, Gesicht und Blut gabenv häufig abgeht, soll eine Siebung und Schulung eine Voraussetzung zur Gestaltungsfähigkeit jm Jüdischen geben. Die an jüdischen, d. h. biblischen Motiven nicht arme Musikliteratur, zu der sich berühmte Komponisten jüdischen Blutes zählen dürfen, erfreut sich bereits einer entsprechenden Berücksichtigung durch die zuständigen Dirigenten, die erfreulicherweise auch wichtige Neuaufführungen herausgebracht haben, von denen die Presse eingehend berichtete. Palästinensische Lieder in Chorbearbeitung, musikalische Bearbeitungen von Psalmen neben der Bibelstoffe enthaltenden Musikliteratur jüdischer und nichtjüdischer Komponisten von Giacomo Carissimi über Mendelsohn, Mahler, Honegger, Rubinstein zu Rudolf Stehpan (gest. 1915) und bis heute wären der Programmteil, der Gegenstand einer jüdisch-erzieherischen Musikkulturarbeit sein muß. Literarische Vortragsreihen hätten neben Betrachtungen über Werke hebräischer und jüdischpoetischer Kultur und Kunst, Untersuchungen über Einflüsse und Beziehungen zu anderen Literaturkreisen zu behandeln. m. In ganz kurzen Andeutungen wurde versucht, eine Möglichkeit für den JKB zu zeigen, die ihm die Gefolgschaft der gesamten Judenheit in Deutschland bringen könnte. Ich habe keine Namen von empfehlenswerten hebräischen Dramen genannt, weil dazu eine umfassende Kenntnis der neuen und neuesten hebräischen Dramen erforderlich ist. Es wäre eine Aufgabe des deutschen Zionismus, in einem Galutprogramm die Kulturpropaganda als den wichtigsten Punkt zu betonen. Eine dauernde Hachscharah des Geistes, ein stetes Wachsein hindert den Rückfall in Sentimentitäten. Wenn wir Maimonides als Führer und Leiter auf unserem Wege zurück feiern, so deshalb, weil er uns den Sieg seines jüdischen Erlebnises über das Bildungserlebnis einer kulturell hochstehenden Umwelt vorgelebt hat. Auf die Umwelt können wir in der Galuth nicht verzichten, aber wir können sie ehrlich jüdisch empfinden und dürfen uns nicht bäumen gegen das, was in uns lebt. Der Zionismus hat in seinen Anfängen den erstarrenden Körper unseres Volkstums neu belebt. Er hat heute wieder die verantwortungsbewußte Pflicht, eine erzieherische Wirkung anzustreben, denn nur eine zionistisch geleistete Kulturarbeit, die im vollen Bewußtsein, 4§ß Zionismus das lebendige Judentum ist, geleistet wird, bedeutet die Verbinäülg mit 3(w JCultur. 50