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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 49

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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bedanken zu einer zionistischen Kufturbundsgestaftung Von Bbr, Fritz Günther Nathan-Breslau. I. Die deutsche Gesetzgebung hat den Juden in Deutschland eine einheitliche Kulturorganisation eingeräumt, örtliche und provinzielle Kulturorganisationen haben die künstlerische Betreuung unserer Gemeinden übernommen. Im Vordergrund ihrer Bemühungen stand zunächst die Unterbringung beschäftigungsloser Schauspieler, aber der Sinn des Werkes ging denen noch nicht auf, die glaubten, — möglichst ohne Pause — der Zerstreuung und Erheiterung des müden Durchschnittsjuden unserer Tage dienen zu müssen« Kulturprogramme, die eine „weitgehende Berücksichtigung11 jüdischer Literaturwerte vorsahen, und doch gleichzeitig mit der etwas triumphierenden Feststellung des Fehlens einer jüdischen Kultur sich auftaten, zeigten nur gar zu deutlich das Gesicht der Gremien, die sich vielfach aus Menschen zusammensetzten, die wesentlich der Not gehorchend diese neue Arbeit taten. Ein „Jüdischer Kulturbund" ist ein Erziehungsfaktor einer rückkehrenden Gemeinschaft; er darf nicht inaktuelle, selbstironische Reminiszenzen zum Ziel und Zweck machen, Seine fürsorgliche Tätigkeit hat zurückzutreten, wenn es sich um die Erziehung handelt, — denn wir haben es mit einer bereiten jüdischen Masse zu tun, einer Judenheit, die entjudet, assimiliert und haltlos ist, die aber heute den rechten Weg zur Bildung einer jüdischen Lebensanschauung sucht. Genau so wie beispielsweise die jüdisch wertvolle Presse jeden Artikel selbst von bekannten Feuilletonisten ablehnt, wenn er jüdisch-unverbindlich ruW isnprpfiftntwili jfirUmufr ist, muß das Theater, das neben Literatur und i Alusik vornehmlich das Arbeitsgebiet der Kulturbünde ausmacht und insbesondere das in unserer Zeit notwendige Tendenztheater (im Sinne einer zwar nicht aufdringlichen aber spürbaren Tendenz) den Trennungsstrich hart und klar ziehen. Mit Dramaturgen, Darstellern, Regisseuren etc., denen die neue Tätigkeit an einem jüdischen Theater dem Intendanzwechsel im allgemeinen Theaterbetrieb gleichkommt, kann keine Kulturpropaganda getrieben werden. Welch eine spürbare Kraft jüdischen Lebens ging von den Gastspielen der H a b i m a aus, welche feine Satire und welch gewählter Witz und Chptn machte Matat6 oder Kumkum berühmt! Wo liegt nun der Weg? Eine geschichtliche Würdigung des jüdischen Dramas sei Fachleuten überlassen. Eine Bibliographie findet der jüdisch-kulturell Interessierte in der Enzyklopädie, dem jüdischen Lexikon und anderen Nachschlagewerken neben einem kurzen geschichtlichen Aufriß, IL Kann man sich eine jüdische Kulturgestaltung ohne Zugrundelegung der h'ebräischen Sprache denken? Man muß gesehen haben, wie Zuhörer bei hebräischen Reden im Film, auf dem Podium etc. ihre Kenntnisse aus dem Siddur, die ihnen im Gedächtnis verblieben, zusammenraffen, um den Reden folgen zu können, wenn der Anstoß nicht gar ausreicht, um sie zum Iwrith lernen zu veranlassen. Man wird mir, wenn ich das hebräische Drama zur Aufführung empfehle, Mittellosigkeit (an Schauspielern) und Erfolglosigkeit (an Kasse) einwenden. Deshalb sei diese Forderung nicht von vornherein unbedingt gestellt. Wenn in literarischen Vorträgen von Fachleuten die Problematik der doch wirklich problemreichen, hebräischen Literatur und insbesondere ihrer Dramen — ich denke an biblische und jüdisch-geschichtliche Stoffe — behandelt würde« bevor das Stück hebräisch zur Aufführung gelangt, wie dies etwa die Methode bei wertvollen fremdsprachlichen Auf- 49

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