Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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weiter zu stärken, so wäre das gewiß kein großartiger, aber immerhin ein lohnender Erfolg für das gegenwärtige Stadium des noch in Deutschland befindlichen Kartellteiles. m Zum Schluß sei, verbunden mit herzlichem Danke und Gruße an das frühere Präsidium, insbesondere an Salli Hirsch und die anderen nach Palästina gegangenen Mitglieder, die allgemeine Bitte um verstärkte Mitarbeit am Jüdischen Willen ausgesprochen. Wer glaubt, daß er «twas zu sagen hat, schreibe an uns. („Unser Blatt soll eine Aussprachetribüne sein. In unserer Zeitung kann und soll sogar gestammelt werden", sagte Egon Rosenberg mit Recht auf einem früheren KT.) Vor allem seien die in Palästina lebenden, schriftkundigen Bundesbrüder herzlich gebeten, auf ihre alte Zeitschrift weiter zu schimpfen und sie nicht ganz zu vergessen. Transferschwierigkeiten wegen des Autorenhonorars werden ihnen — unter Garantie — nicht erwachsen. Polis und Synagoge Von Bbr. Lothar Rothschild. Ein Leben im Geist führte Franz Rosenzweig. Bevor sich sein Todestag zum sechsten Mal jährte, ward er wieder mitten unter uns gestellt durch ein posthumes Werk, das von ausgedehntem und reichem Leben kündet. Wir haben ihn oft vermißt in den letzten Jahren, als der Weg des deutschen Judentums immer mehr in die Situation der Entscheidung führte und man sich wegsehnte von den verschiedenen Judentümern, um zu dem großen, einen Judentum zu gelangen. Extrem abseits stehende Gruppen sind in ein umfassendes Judentum nie einzubeziehen, weil es für sie jeweils ein Monon gibt, einen ausgesprochenen Nur-Standpunkt, entweder der Religion oder des Nationalismus. Beides aber gibt nur ein unvollständiges Judentum. Rosenzweig hat sich bestimmt wenig den Kopf darüber zerbrochen, wie er zu einem umfassenden Judentumsbegriff in Bildung und Ausdruck gelangen konnte. Er wurde organisch dahin geführt, wo sein umfassender, politisch leidenschaftsloser Forschergeist ihn hinstellte. Konsequent geht er den Weg von jenem Moment seiner Jugend, der ihn in ein kritisches Ringen um die Taufe verwickelte, durch das Erlebnis des Krieges hindurch zu dem bildungsmäßigen Ausdruck, den Judentum für ihn als einen Kämpfer des Geistes gewonnen hatte, nachdem er sich im mazedonischen Schützengraben im „Stern der Erlösung" sein philosophisches System und seine Begründung des Judentums von der Seele geschrieben hatte. Aber er wirkte in den folgenden Jahren nach außen mindestens ebenso durch sein Leben wie durch sein geistiges Schaffen, wobei seine Krankheit seine geistige Regsamkeit nicht im mindesten beeinträchtigen konnte. Schon als er starb, erhielt er überall Nachrufe, in denen ihn beinahe jede Gruppe des Judentums in Deutschland als den ihrigen postulierte. Das zeigt schon deutlich, daß diese Erscheinung nicht alltäglich war, die abberufen wurde mitten in der Mühe um eine neue Verdeutschung des höchsten Ausdrucks, den wir literarisch besitzen, der Schrift. — 0