Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186706--1170-3187237
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gelungen sei, liege die Schuld nicht allein an den KJVern, Vor allem aber sei zu bedauern, daß die Leitung nicht eine Reihe älterer zionistischer Persönlichkeiten, besonders aus dem KJV, regelmäßig informiere. Es gäbe eine Anzahl Gebiete, gerade auch zionistisch-politischer Art, bei denen eine derartige Besprechung und Beratung vielleicht auch für die Leitung von Nutzen sein würde. Die anwesenden Bundesbrüder, die als Beamte der Leitung der ZVfD angehörten, betonten demgegenüber, daß eine ganze Reihe von KJVern neu in die zionistische leitende Arbeit gelangt seien, sie selbst bedauerten am meisten, daß ihnen nicht noch mehr Mitarbeiter aus den Reihen der älteren KJVer zuwüchsen. Im übrigen sei es ihrer Ansicht nach Sache derjenigen Präsidiumsmitglieder des KJV gewesen, die zugleich dem GA der ZVfD angehörten, für Information des KJV zu sorgen. Die Blätter der ZVfD für ihre Mitarbeiter könnten nur in geringer Auflage herausgegeben werden. Schließlich könne von einer Entfremdung der Bewegung gegenüber ihren älteren Anhängern durch „Verbeamtung" schon deshalb nicht die Rede sein, weil heute fast jeder Zionist, nicht nur der zionistische Beamte, unmittelbar an den Dingen interessiert und an ihren Ergebnissen beteiligt sei. Wer dies aber nicht sei, sei heute in der Regel auch nicht in der Lage, eine maßgebliche zionistische Tätigkeit oder Beratung zu leisten. Die Diskussion wurde, auch soweit sie Dinge berührte, die die einzelnen sicher erregten, in anerkennenswert ruhigem Tone geführt. V. Ob, was dann folgte (s. Anträge Kadimah, Hechawer und Präsidium Nr. 2) notwendig war, darüber mag man streiten. Vielen erscheint, völlig unabhängig von ihrem Urteil über die Frage des Revisionismus, diese ewige Antragstellerei und Beschlußfasserei in so kleinem Kreise als überflüssig. Zumal, wenn man hört, daß es sich im Ganzen um drei bis vier Bundesbrüder handelt, über deren persönliches Verhalten nicht eine einzige Klage verlautete. Nachdem einmal ein Antrag, wie der des Präsidiums zu Nr. 2 gestellt war, konnte man ihn freilich nicht grundsätzlich ablehnen. Als dann die das ausnahmsweise Verbleiben der betreffenden Bundesbrüder im KJV vorsehende Resolution des Hechawer vom Kartelltagspräsidium zur Beschlußfassung gestellt wurde, ergab sich noch im letzten Teile wieder eine jener Debatten, bei denen, um selbstgeschaffene Schwierigkeiten auszuräumen, der einzelne Scharfsinn, Witz, Ueberlegenheit, Temperament und Empörung aufbieten kann, — die aber bei den vielen anderen nur ein trauriges Gefühl verlorener Zeit hinterlassen. Hoffentlich ist nun wenigstens mit diesem, allmählich zur Dauereinrichtung gewordenen Sturm in dem so klein gewordenen Wasserglase Schluß gemacht. VI Alles in allem war die Tagung erfreulich. Guter Wille, jüdisch-zionistisches Interesse und bundesbrüderliches Zusammengehörigkeitsgefühl traten durchaus in Erscheinung. Bei allen innerzionistischen Differenzen folgten die Bundesbrüder doch willig der Leitung des Kartells. — Das neue Präsidium, dessen Mitglieder weniger denn je ihr Amt erstrebt haben, machte betontermaßen nur bescheidene Versprechungen. Wenn es ihm gelingen wird, noch eine Anzahl von Bundesbrüdern zu ehrenamtlicher — und auch hauptberuflicher — jüdischer und zionistischer Tätigkeit heranzuziehen und den Zusammenhang der übrigen mit der Zionistischen Organisation und mit dem palästinensischen KJV weiter zu beleben und bei allen das durch eigene Sorgen vielfach etwas beschädigte bundesbrüderliche Gefühl 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.