Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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und nach — auch bei aktiven Naturen — das Ausrufungszeichen. Und wenn schon formuliert werden muß, so klang dieses Mal bei allen Diskussionen und persönlichen Unterhaltungen ein Unterton durch: Noch einmal Kartell tag in Berlin? IL Das Beisammensein am Sonnabendabend war wohlgelungen. Es waren fast alle Berliner Bundesbrüder mit Angehörigen erschienen, und die Auswärtigen fanden sich freundschaftlich umringt. Tuchlers Ansprache, ruhig und herzlich im Ton, führte gleich mittenhinein. Egon Rosenbergs persönlich gehaltene Erinnerungen an die Frühzeit des deutschen Zionismus fesselten wie immer. — Die vorgeführten Palästinabilder waren vorzüglich. Weniger glücklich war der Kongreßteil des Bildstreifens. Daß der Bahnhof in Luzern außer der Vorderauch eine Rückseite hat, daß er insbesondere dem Eisenbahnverkehr dient, und daß die Uferseite des Kongreßgebäudes zum See hinausliegt, hätten selbst grimmige Zweifler auch ohne so gründliche Bildbeweise geglaubt. Auch interessierte nur wenige, in was für Hotelzimmern die einzelnen Büros untergebracht waren. Ein Dutzend Bilder zionistischer Persönlichkeiten, eine gute Aufnahme der Eröffnungssitzung und zwei oder drei Straßenszenen hätten genügt. III. An fast allen Tischen wurden eifrig die hebräischen Fortschritte erörtert. Manche feiern Erinnerungen an den vor fast 30 Jahren von Bbr. Heinrich Loewe gegründeten Sprachklub „Hamegamgem", „Der Stammler'1. Das Samech wird freilich heute mit dem Schktß-Mem fast nie mehr verwechselt, und Resch mit Daleth schon garnicht mehr. Mehr Schwierigkeiten bereitet den Glücklichen die bereits Zeitungen lesen können, die Entzifferung der fremden Eigennamen. „Man quält sich, um herauszukriegen, ob ein Satz im Haarez eine neue Nebenform des Hitpael oder des Hiphil enthält", klagte die Gattin eines Bundesbruders an unserem Tische, „und schließlich kommt heraus: Mar Dr. Krojanker ist nach Triest abgefahren, womöglich noch auf dem japanischen Dampfer Okakura Katsuto Maru". — Gern hörte man im Gespräch von Bbr. Moses Goldmann, daß sein wirklich klassisches — und nebenbei ausgezeichnet klar gedrucktes — Lehrbuch bereits wieder in neuer Auflage erschienen ist. Auch Bbr. Erich Hirschfeld erzählt, daß er soeben ein neues Lehrbuch für Anfänger erscheinen läßt. IV. Die eigentliche Tagung am Sonntag brachte außer dem von Tuchler erstatteten Rechenschaftsbericht des Präsidiums in der Hauptsache ein inhaltsreiches Referat von Benno Cohn: „Zionistische Arbeit in Deutschland1', das die so veränderte Struktur zionistischer Tätigkeit schilderte (s. Protokoll). Heiterkeit erregte die Mitteilung, daß z. Zt. als „alte Zionisten" solche gelten, die im Oktober 1934 beigetreten sind, größeres Interesse sein immer wieder erneuter Hinweis, wie aufnahmewillig, lernbegierig und voll seelischer Bereitschaft ein großer Teil gerade dieser Leute ist, und wie dankenswert und trotz allem beglückend der Dienst an ihnen. In der Diskussion brachte Martin Exiner vor, es scheine unzweckmäßig, daß in allen Gremien immer wieder dieselben wenigen, mit leitender Arbeit überhäuften Leute als zionistische Vertreter aufträten. Irgendwelche Angriffe gegen verdiente Beamte lägen ihm völlig fern. Es müsse aber möglich sein, in stärkerem Maße auch noch andere alte Zionisten, insbesondere aus dem KJV, zur Tätigkeit in der Bewegung heranzuziehen. Wenn das bisher nicht 43