Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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notwendigen Bemühung seitens der Organisation gefehlt hat. Da dies nach der Erklärung Benno Cohns sich ebenfalls ändern wird, glaube ich, daß dieser Kartelltag für die zionistische Arbeit in Deutschland wertvoll gewesen sein wird. Siegfried Moses; Ich möchte mich hier auf Bemerkungen beschränken über das Verhältnis zwischen KJV und ZVfD. Ich muß ein freimütiges Bekenntnis vorausschicken in bezug auf mein Verhältnis zum KJV; dabei bitte ich Euch zu berücksichtigen, daß hier jemand steht, der recht aktiv an den Grundlagen des KJV mitgearbeitet hat. Ich glaube, unser Verhältnis zum KJV unterscheidet sich nach dem Grade der Gefühlsbetontheit. Und ich muß bekennen, daß mein Verhältnis zum KJV wenig gefühltbetont ist und daß ich mich gewöhnt habe, die sachlichen Maßstäbe über die des Empfindens zu stellen. Es gibt da zwei verschiedene sachliche Maßstäbe. Habe ich mit einem KJVer zu tun, so ist zunächst die Herkunft aus dem KJV ein ganz wichtiges Aktivum und schafft eine Vermutung — aber eben auch nur eine Vermutung — dafür, daß es ein zur zionistischen Arbeit qualifizierter Mann ist; und es kommt hinzu, daß ich die Empfindung habe, wir können vertrauensvoll miteinander sprechen. Es gibt aber dann noch die zweite Frage: Was bedeutet die Zugehörigkeit zum KJV? Sie kann viel und sie kann nichts bedeuten. Was sie bedeutet, hängt davon ab, was das KJV als zionistischer Faktor ist. Je weniger der KJVer Kreis, dem der Mann angehört, ein zionistischer Stammtisch ist, je mehr er ein Aktivkreis ist, der ständig überlegt, wie er die zionistische Arbeit fördern kann, um so mehr bedeutet die Zugehörigkeit zum KJV. Und genügt ein KJVer diesen sachlichen Maßstäben nicht, dann bedeutet mir bei ihm die Zugehörigkeit zum KJV nichts. Ich will mich zu den spezifischen Fragen des KJV nicht äußern, sondern mich auf ein paar Bemerkungen zur Diskussion beschränken. Jacobsohn hat beanstandet, daß man in den verschiedensten Gremien, auch in der Reichsvertretung, unter anderem auch mit Angehörigen des Bundes jüdischer Frontsoldaten zusammensitze, obwohl den Zionisten die Zugehörigkeit zum Frontbund verboten ist. Es besteht aber ein grundlegender Unterschied zwischen der Frage, ob jemand zwei Organisationen zugleich angehören kann, und der Frage, ob man sich auch mit politischen Gegnern in einer Spitzen* Organisation zusammenfinden soll. Es ist hier nicht der Ort, über die Politik der ZVfD in den letzten Jahren zu sprechen. Die Frage, wie weit wir gehen sollen in bezug auf den Führungsanspruch haben wir in vielen Tagen und Nächten immer wieder durchdacht, und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, daß es das Richtige ist, wenn wir den Anspruch auf gleichberechtigte Mitwirkung an der Führung und führende Mitarbeit an den für uns lebenswichtigen Arbeiten, wenn wir den sachlichen Führungsanspruch erheben. Esi st durchaus richtig, wenn Tuchler sagt, daß man die letzten Ereignisse im Gemeindeleben als Erfolg' werten muß; als Erfolg, den ich wahrhaftig nicht überschätze, aber den man doch anerkennen sollte. Noch ein paar Worte über die Beschwerden, die hier ausgesprochen worden sind. Ich bedaure, daß diese Beschwerden bisher unausgesprochen geblieben sind. Gerade das bundesbrüderliche Verhältnis hätte es erfordert, daß man diese Beschwerden so schnell wie möglich zum Ausdruck bringt. Die Bundes- 37