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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 31

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Andererseits liegt der Mangel unseres zionistischen Lebens darin, daß wir noch nicht verstanden haben, Informationen an die richtigen Kreise zu geben. Sonst wäre es mir unerfindlich, daß ein Teil des KJV erklärt, unorientiert zu sein über Fragen des Palästinaamtes, obschon führende Mitglieder des KJV dort mitarbeiten. Eins freilich muß man sagen: wenn es früher so war, daß auf dem Kartelltage die Kenntnisse viel gründlicher waren, als es die Praxis erforderte, ist es heute umgekehrt, nämlich so, daß alle unsere Tagungen hinter den Anforderungen der zionistischen Arbeit zurückbleiben. Heute erfordert die Bewältigung der Probleme, von denen hier in großen Zügen gesprochen wurde, doch ein Maß von Hineingehen in Details, das sehr groß ist. Es ist selbstverständlich, daß es Lücken gibt, in dem Bestreben, Menschen in unsere Arbeit hineinzuziehen. Aber völlig unrichtig ist die Behauptung, es sei in den letzten Jahren da nichts geschehen. So sehr ich also bemüht sein werde, Wege der organisatorischen Zusammenfassung zu erschließen, so sehr muß ich mich dagegen wenden, daß hier die Meinung geäußert wird, das zionistische Leben vollziehe sich in den letzten Jahren unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Wir hatten in den letzten Jahren zwar keinen Delegiertentag, aber ehp Reihe von Arbeitstagungen, an denen Hunderte von aktiven Zionisten teilgenommen haben. Wir haben eine Unmenge provinzielle und lokale Tagungen gehabt und glauben nicht, daß sich heute die zionistische Arbeit derartig vollzieht, daß sie eingekapselt wäre in die Arbeit weniger Menschen. Die von einem Redner beklagte Erscheinung der Akkumulierung zionistischer Funktionen ist für die Betroffenen selbst eine sehr schmerzliche Erscheinung. Sollte der Redner auch mich gemeint haben, so muß ich sagen, daß mich nichts mehr schmerzt als der Zwang, dauernd in anderer Verkleidung über die Bühne des zionistischen Lebens ziehen zu müssen. Aber das ist eben eine Notwendigkeit. Unsere Probleme stehen heute unter der Fuchtel der Zeit, unter der ungeheuren Gefahr, daß wir zu spät kommen. Und wenn ich heute in diesem Kreis mit Euch debattiere über die Situation des deutschen Zionismus, dann möchte ich nicht die Verteidigunsrede derer halten, die behaupten, alles sei gut gewesen. Ich will mit jedem debattieren, darüber, was schlecht an unserer organisatorischen Form und unserer politischen Haltung ist. Aber da wir zu unserem Kartelltag hier versammelt sind, so wollen wir uns darüber klar sein, daß der Zionismus auf gewisse Dinge absolut stolz sein kann. Es wird gesagt: Wo spielt der Zionismus eine Rolle? Nun, wir haben im Zentralausschuß und der Reichsvertretung einen Apparat aufgebaut, der es uns ermöglichte, als Zionisten mit Gemeinden ganz anderer Zusammensetzung zusammenzuarbeiten. Wir haben mit diesem zentral aufgezogenen Apparat es immerhin fertig gebracht, daß der wesentliche Teil der Berufsumschichtung und des Schulwesens von uns bestimmt worden ist. Wir brauchen gar nicht zu sagen „mitbestimmt". Und zwar geschah das deshalb, weil die wichtigsten Instanzen in unseren Händen waren. Und wir müssen jetzt diese Arbeit auf eine neue Stufe heben. Das Problem der Vermögensliquidation und all die Fragen des Transfers, mit denen wir uns jetzt im Zusammenhang mit der jüngsten jüdischen Entwicklung zu befassen haben, verlangen einen einheitlichen Einsatz, damit wir sagen können, daß es uns gelungen ist, den wesentlichen Teil des deutschen Judentums auf die von uns für nötig gehaltenen Aufgaben zu konzentrieren. Man müßte also, wie Rogenberg richtig sagte, einen solchen Kartelltag auswerten, um KJVer zu den zionistischen Aufgaben heranzuziehen. Wir müssen unterscheiden das Interesse der Gesamtheit und die wohlabgewogenen Interessen des einzelnen. Hier möchte ich mich gegen einen Antrag wenden, nämlich gegen den des Rosenkranzbundes, der besagt, daß bei irgendwelchen 31

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