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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 30

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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fror allem auch durch des Beschluß der Revisionisten selbst, deren Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation doch schließlich kein freundlicher Akt war, gefordert wird. Den Gewissenskonflikt zwischen Bundesbrüderlichkeit und Partei, der bei den revisionistischen Bbr. Bbr. besteht, müssen wir ihnen zu entscheiden überlassen, Franz Meyers Liebe Bundesbrüder, es klang aus manchen Reden heraus, als ob man erwartet, daß diejenigen, welche in der Arbeit der ZVfD stehen, hier zu einer Frage Stellung nehmen sollen, die etwa so formuliert war: KJV einerseits, ZVfD andererseits. Ich glaube, eine solche Frage wäre schlecht gestellt. Es sieht ja fast so aus, als ob diejenigen Bundesbrüder, die heute in einer gewissen Distanz zur Arbeit der ZVfD stehen, in einen Gegensatz geraten müßten zu denen, die dieser Arbeit eng verbunden sind. Ich möchte ausgehen von der Frage des KJV selbst. Gerade, weil ich mich durch zwanzigjährige Mitgliedschaft diesem Kreise des KJV zugehörig fühle — und zwar durch eine nicht zufällige, sondern aktive Mitgliedschaft —, habe ich es schmerzlich empfunden, daß diesesmal die Fragestellung über das Verhältnis zwischen zionistischer Gesinnung und Bundesbrüderlichkeit in einer Form gestellt worden ist, die mir als Verflachung des Problems erscheint: nämlich so, als ob Bundesbrüderlichkeit erschöpft wäre in dem Gedanken der parteipolitischen Neutralität. Man sagt also: der KJVer unterscheidet sich von sonstigen Zionisten durch seine Verbundenheit mit Zionisten anderer Gruppierungen. Eine solche Formulierung wäre sehr unzureichend. Ich glaube, wir haben es immer so verstanden, daß diese Bundesbrüderlichkeit mehr bedeuten müßte: nämlich eine Art Qualifikation, die gesehen werden könnte in dem Vertrauen, das den Bundesbrüdern entgegengebracht werden darf. Es geht um eine Frage des Vertrauens, darum, ob das KJV noch in der Lage ist, diese Qualifikation aufrecht zu erhalten, die darin ihren Ausdruck finden muß, daß nicht nur der einzelne KJVer berechtigt ist, ein besonderes Maß von Vertrauen seinem Bundesbruder entgegenzubringen, sondern daß der KJVer auch das Gefühl hat, daß die Bundesbrüder ihn in besonderem Maße vor Verdächtigungen schützen. Aus der heutigen Debatte klang heraus, was sich an Ressentiments, Empfindlichkeiten und wirklichen Notständen aufspeichert, und niemand von uns zweifelt einen Augenblick daran, daß die Anormalität unserer Verhältnisse und unserer Arbeitsmethoden dazu führen muß, sehr beklagenswerte und außerordentlich unangenehme Zustände zu schaffen; wir müssen Art und Formen unseres organisatorischen Lebens dem Arbeitsgebiet anpassen, das wir zu bewältigen haben. Aber Voraussetzung muß sein: das KJV hält den moralischen Maßstab aufrecht, den es immer anzusetzen bemüht war. Und da muß man sich darauf verlassen können, daß das KJV die Instanz bleibt, die dafür sorgt, daß wirkliche Mißstände nicht vorkommen können und daß diejenigen seiner Menschen, die in der Arbeit stehen, nicht in der Weise angegriffen werden können, wie dies leider in der letzten Zeit der Fall war. Ich gehe davon aus, daß die Tatsache, daß in allen Gremien der ZVfD KJVer sitzen, keiner Erwähnung bedarf und daß daher jeder Bundesbruder davon ausgehen muß, daß er nicht in solchen Andeutungen sprechen darf wie heute vormittag. Es ist klar, daß unsere früheren Formen des organisatorischen Zusammenlebens unbrauchbar geworden sind. Demokratie kommt nur dort in Frage, wo es möglich ist, alle Fragen des Gemeinschaftslebens öffentlich zur Debatte zu stellen. Andererseits müssen wir Möglichkeiten finden, um einen möglichst großen Kreis von Zionisten damit bekannt zu machen. Ich für meinen Teil muß gestehen, daß ich nicht in der Lage wäre, an einem KJVerleben teil zu nehmen, weil ich keinen Abend dafür frei wüßte« 30

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