Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2827066-3186705-3186706--1155-3187222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zu geben für die Aufgaben, die mir als die gegebenen vorschweben, und ich dachte, daß der heutige Tag dazu dienen wird, diese Dinge in die Hand zu nehmen. Haben wir in früheren Jahren die Erziehung unserer Bundesbrüder in den Vordergrund gestellt, so ist uns diese Arbeit leider jetzt abgenommen, und an ihre Stelle muß jetzt etwas anderes treten: die Reaktivierung aller KJVer, die jetzt noch in Deutschland sind. Und ich könnte mir vorstellen, daß das Präsidium ein besonderes Ressort einrichtet für die den KJVern obliegenden Aufgaben, derartig, daß es diese Aufgaben lenkt und organisiert. Es wird im engsten Zusammenhang mit der ZVfD und dem Keren Hajessod arbeiten* Und ich kann mir vorstellen, daß sich das Präsidium des KJV von diesen beiden Organisationen, von der ZVfD und dem Keren Hajessod, eine Art Vollmacht geben läßt. Ich habe davon gesprochen, wie einst ein enger Zusammenhang zwischen der Akademikerschaft und dem Zionismus bestand. Das KJV stellt die Akademikerschaft dar, und es hat gerade heute eine spezifische Aufgabe. Es ist klar, daß dem KJV eine ganz andere Aktionsfähigkeit in dem heutigen Judentum Deutschlands erwächst als in dem früheren Judentum. Wir wollen uns keine Illusionen über dieses Judentum machen. Wir wissen, daß nur ein Teil wirklich erschüttert ist und ein anderer Teil aus einer gewissen Trägheit des Herzens noch instinktiv auf dem Boden stehen möchte, der ihm unter den Füßen weggezogen ist — ein akrobatisches Kunststück. Die Menschen aber, die wirklich tief erschüttert sind, sehen in uns eine Autorität, die wir vielleicht gar nicht haben. Mein Vorredner hat sehr richtig gefragt: „Was haben wir in den letzten Jähren getan?" Man muß aber heute sagen: wenn es möglich ist, daß sogar die Assimilanten zu einer gewissen jüdischen Aktivität kommen und Anschluß suchen an lebendiges Judentum, so muß doch erst recht eine Möglichkeit bestehen, alle KJVer in die Arbeit hineinzuziehen. Früher konnte man sagen, der Akademiker habe nach der Studentenzeit eine Art Recht auf Schonung. Heute muß man sagen, daß man das ganze Judentum mobilisiert und da gibt es keinen Urlaub. Es würde mich erheblich wundern, wenn arbeitslustige Menschen keine Arbeit zugewiesen erhalten. Ich möchte noch zu etwas ganz Konkretem kommen. Wir sprachen davon, das die ZVfD in den Ortsgruppen, Gremien, Gemeinden und Instanzen Menschen braucht; wir haben auch erwähnt, daß der Keren Hajessod heute ein besonders starkes Bedürfnis an aktiven Menschen hat, und dieses Bedürfnis muß sofort erledigt werden. Man sollte den Kartelltag auskämmen und die Leute suchen, die sich für diese Arbeit eignen. Ich rege daher an, daß diejenigen, die gewillt sind, sich ehrenamtlich oder hauptamtlich der zionistischen Arbeit zur Verfügung zu stellen, sich noch heute bei mir persönlich melden, und wir werden diese Aussprache zum Gegenstand weiterer Verhandlungen machen. Ich gehe noch einmal ein auf die Frage der Revisionistenbeschlüsse. Wenn heute diese Frage überhaupt zur Diskussion steht, ob Revisionisten nach dem Ausscheiden aus der Zionistischen Organisation bei uns sein können, dann ist das eine Rechtfertigung der Vorgänge, die sich vor anderthalb Jahren bei uns abspielten. Damals argumentierte die Opposition mit dem Argument: jede Nuance ist zu achten, solange der Betreffende Mitglied der Zionistischen Welt* Organisation ist. Es war, wie sich heute erweist, ein Scheinargument. Schloßberg hat mit Recht gesagt: Wenn wir unseren Standpunkt ernst nehmen wollen, dann gibt es diese Frage nicht. Ist das Gefühl der Bundesbrüderlichkeit bei unseren revisionistischen Bundesbrüdern ein so starkes, so muß ich erwarten, daß angesichts der Tatsache, daß wir nur Mitglieder der Zionistischen Organisation als Bundesbrüder anerkennen, sich diese durch einen solchen Beschluß betroffenen KJVer jetzt zur Zionistischen Weltorganisation bekennen werden» Sie müssen dann eben die Konsequenz ziehen, die durch unseren Beschluß und 29