Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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in jedem Ort KJVer damit betraut werden, einen solchen Kreis zu bilden, mit dem Ziel, die Gemeindemitglieder positiv jüdisch zu erfassen, so glaube ich, werden wir aus dem Kartelltag einen positiven Nutzen ziehen. Fritz Günther Nathan (Breslau): Es ist bisher manches darüber gesagt worden, wie sich die Arbeit des KJV gestalten soll. Bisher waren wir in einem Zwischenzustand und wußten nicht, wie wir arbeiten sollten. Es ist vormittags davon gesprochen worden, daß zu uns Menschen aus den Kreisen kommen sollen, die die Erziehung der Jugend übernommen haben. Meine Erfahrungen vom Breslauer Rabbiner-Seminar sind in diesem Sinne gut. Ein großer Teil der dortigen Hörer ist Mitglied des KJV oder zionistisch organisiert.' Wenn der heutige Kartelltag sich über die Form einer Einordnung klar wird, dann glaube ich, werden wir die Basis finden, auf Grund der wir eine Schulungsarbeit übernehmen können. Es würde im Interesse einer für das Gesamt-KJV ersprießlichen Arbeit freilich nötig sein, daß die Leitung des KJV sich nicht nur auf Berlin beschränkt, sondern daß auch Vertreter der Provinz in die Leitung berufen werden. Ich würde also den Vorschlag machen, in das Präsidium hinein oder in einen Präsidialrat Mitglieder der Provinz zu wählen, die zusammen mit dem Berliner Präsidium an einem Programm der Erweiterung arbeiten. Es wäre damit viel getan für die Arbeit im Reiche. Iwan Meyers Ich entsinne mich, daß Bbr. Schloßberg bezüglich der KJVer von einer amorphen Masse sprach. Gewiß, wir geben alle zu, daß wir mehr hätten tun können, und bei sehr vielen hat es an gutem Willen gefehlt. Aber wir haben das moralische Recht zu sagen, daß die Fehler nicht nur auf unserer Seite lagen. Es fehlte an dem notwendigen Kontakt mit den leitenden zionistischen Instanzen. Hierbei sind viele Unterlassungssünden begangen worden. Auf diese Weise ging das seelische Fundament, welches für jede Arbeit unerläßlich ist, bei vielen KJVern verloren. Gehen wir zurück auf das KJV selbst. Was ist geschehen, um alle die Bundesbrüder, die arbeitsfreudig sind, heranzuziehen? Nichts! Was wird nach dem Kartelltag geschehen? Ich fürchte: wiederum nichts! So war es auch bei uns im Rosenkranzbund. Dies soll kein persönlicher Vorwurf, sondern nur eine sachliche Feststellung sein. Die Aufgaben des neuen Präsidiums mögen darin bestehen, für die Zukunft in diesen Dingen Abhilfe zu schaffen und insbesondere dafür zu sorgen, daß die Bbr.Bbr., die arbeitswillig sind, haupt- oder nebenberuflich an ihre richtigen Plätze kommen. Noch ein Wort über den Antrag des Rosenkranzbundes, wonach als Beweis der Qualifikation eines KJVers als Zionist eine Erklärung des Präsidiums des KJV allein ausreichend sein soll. Dieser Antrag hat eine Vorgeschichte. Es ist oft seitens des Palästinamtes bei Bundesbrüdern der Nachweis ihres Zionismus verlangt worden. Die KJV-Zugehörigkeit genügte anscheinend nicht. So weit ist das KJV im Kurse gesunken! Dagegen verwahren wir uns! Deshalb wollen wir auch das Präsidium verpflichten, bei allen Instanzen, auch beim Palätinaamt, dem KJVer-Namen Achtung und Geltung zu verschaffen. Egon Rosenbergs Es ist unmöglich, daß der Kartelltag auseinandergeht und sich nur mit platonischen Erörterungen begnügt. Ich habe schon versucht, eine Begründung 28