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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 26

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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das Kartell die Arbeit unter den jüdischen Akademikern überhaupt weit mehr als bisher in Angriff nehmen. Ich komme jetzt zur Frage der Heranführung unserer Menschen an die zionistischen Aufgaben, Wenn hier von Exiner geklagt wurde, daß die Arbeit ausschließlich von einem bestimmten Kreise, von einer „Clique" geleistet werde, so liegt das wesentlich an dem Menschenmaterial, mit dem es die Leitung zu tun hat. Der deutsche Zionismus ist neu und denkbar intensiv durchorganisiert. Unsere Mitarbeiter im Reiche werden fortlaufend informiert. Sie beklagen sich bisweilen schon darüber, mit Drucksachen geradezu überschwemmt zu werden. Wir können uns nicht an die KJVer als solche wenden. Soweit sie in der zionistischen Arbeit stehen, werden sie auch von unseren Informationswellen erreicht. Zu erwägen wäre vielleicht, den noch existierenden und arbeitenden Organisationen des KJV die Informationen als zionistischen Bünden zukommen zu lassen. Es gibt sicher ein großes Menschenmaterial im KJV, das gesiebt und an die Arbeit herangeführt werden kann. Diese Aufgabe aber obliegt stärker dem Präsidium des KJV als der ZVfD. Wir brauchen dringend Menschen für die verschiedensten Funktionen und denken deshalb nicht daran, über uns zur Verfügung stehende Kräfte hinwegzugehen. Das KJV muß sich den veränderten Verhältnissen entsprechend stärker regional organisieren. Heute ist oben ein Präsidium und darunter nichts oder doch nur vage Reste eines sentimentalen Zusammengehörigkeitsgefühls. Wer z. B. in Berlin nicht einem der noch am Leben befindlichen Altherrenbünde angehört, etwa weil er erst neuerdings aus der Provinz zugezogen ist, fällt ins Leere, gewinnt keine Fühlung mit bundesbrüderlichen Kreisen. Ich muß aber noch auf die politische Frage eingehen, die hier angeschnitten worden ist, auf die Frage, ob auch Bundesbrüder, die nicht der Zionistischen Weltorganisation angehören, noch Mitglieder des Kartells sein können. Ich verstehe diese Frage überhaupt nicht. Man mag den Begriff der Neutralität so weit spannen, wie man will. Aber er muß irgendwo seine Grenze finden; sonst verliert er sich im Nebellosen. Wo also sind die Grenzen abzustecken? Doch äußerstenfalls an den Grenzen der Zionistischen Weltorganisation. Jemand, der einen Strich zieht zwischen sich und der Zionistischen Weltorganisation, muß diesen Strich ziehen mit allen Konsequenzen, auch mit der Konsequenz, nicht mehr der KJV anzugehören. Es wird gesagt, die Stellung der Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisation könne sich ja vielleicht einmal nähern. Ja, wenn sie sich ändert, dann können wir vielleicht auch unsere Stellung zu den Revisionisten revidieren. Wir nehmen ja auch frühere KCer auf, obschon es früher unmöglich war, zugleich KCer und KJVer zu sein. Wie ist denn menschliche Gemeinschaft anders möglich als in der Gemeinsamkeit tragender Grundanschauungen? Ist diese Gemeinsamkeit nicht vorhanden, so wird die Gemeinschaft herabgewürdigt zu einer bloß konventionellen Angelegenheit, wofür uns das KJV zu gut sein sollte. Es ist hier nicht der Platz für eine große Revisionistendebatte. Was uns von den Revisionisten trennt, ist nicht so sehr das Endziel als die Vorstellung des Weges dahin. Für uns kommt es nicht so entscheidend auf formale Urkunden und Fakten an als auf die Kraft unseres Volkes, sich sein Recht zu verschaffen und sich durchzusetzen. Auch wenn wir eine Mehrheit in Palästina hätten, könnten wir immer noch Fremde sein im eigenen Lande. Wir brauchen die Kräfte der Durchsetzung, wir brauchen das staatsbewußte Volk noch vor dem Staate. Und nun gibt es eine Bewegung, die dieses Staatsbewußtsein, alle aufaufbauenden Kräfte im Lande, alles zum Staatsaulbau Geschaffene sich zu zer- 26

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