Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Ihr sagt, man kann von ganz verschiedenen Gesichtspunkten zu diesen Fragen Stellung nehmen. Ich werde wohl in jeder Frage anders entscheiden als die ZVfD. Und wenn wir alte Bundesbrüder fallen lassen wollen, so werde ich Euch nicht folgen. Man kann nicht die Fonds in Anspruch nehmen für politische Begründungen. Wir haben ja drei Stufen bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Erez: die Periode der Chalukka, die der Fonds und die der Privatwirtschaft. Ich glaube, daß die Privatwirtschaft bald eine größere Rolle spielen wird. Laßt diesen die Revisionisten ausschließenden Paragraphen fallen oder kommt wenigstens zu dem vom VJSt Hechawer vorgeschlagenen Beschluß, den der Hechawer sicherlich nicht ohne wichtige Gründe vorschlägt. David Schloßbergs Liebe Bundesbrüder, ich muß zu nüchterneren Erörterungen überleiten. Ich wünschte, die zionistische Aktivität des Kartells, von der diese Debatte Zeugnis ablegt, äußerte sich nicht nur auf dem Kartelltag. Es ist richtig, daß unsere Bundesbrüder in der zionistischen Arbeit vielfach Hervorragendes leisten und an der Spitze stehen. Auch manche, die zionistisch scheintot waren, haben durch die Ereignisse eine Kampferspritze erhalten. Gleichwohl macht die Masse des Kartells noch einen amorphen Eindruck. Blumenfeld hat einmal auf die rhetorische Frage eines Gegners, ob er denn das deutsche Judentum überhaupt kenne, geantwortet: „Ja, sogar persönlich!" Ein Gleiches kann ich von mir hinsichtlich des deutschen Zionismus behaupten. Um so überraschter war ich, auf dem gestrigen Eröffungsabend so vielen unbekannten Gesichtern zu begegnen wie schon lange nicht mehr auf einer zionistischen Tagung. Wir sind nur noch 700 in Deutschland, wird gesagt, und stellen doch einen großen Teil der aktivsten Menschen des deutschen Zionismus. Richtig, 700 sind nur ein kleiner Bruchteil der deutschen Zionisten, aber man darf nicht vergessen, ein sehr großer Bruchteil der noch in Deutschland lebenden Alt-Zionisten. Und dieser sehr erhebliche Prozentsatz kommt noch lange nicht genügend zur Geltung. Ich glaube es trotzdem begrüßen zu sollen, daß die Frage nach Auflösung des Kartells nicht gestellt worden ist. Das Kartell hat meines Erachtens noch Aufgaben zu erfüllen, und ich möchte einige dieser Aufgaben ganz kurz umschreiben. Ich bin auch der Meinung, daß wir uns nicht künstlich eine Jugend heranziehen können. Jetzt, wo der naturgemäße Nachwuchs fehlt, können wir uns nicht mit Adoptivkindern behelfen. Aber es gibt da einen natürlichen Weg, Auf der Lehnitzer Tagung ist von Gärtner angeregt worden, die Jugend der Rabbiner- und Lehrerseminare vom KJV zu erfassen. Ich glaube, hier liegt eine entscheidende Aufgabe des Kartells; denn diese Menschen werden die sein, die die künftige Generation des deutschen Judentums zu erziehen haben werden. Das ist ein Problem, dessen Inangriffnahme zumindesten versucht werden muß. Das zweite ist die Arbeit unter den nichtzionistischen jüdischen Akademikern. Wir sollten den Versuch machen, eine Reihe dieser Menschen, soweit sie für uns geeignet sind, an uns heranzuziehen. Ich weiß nicht, auf Grund welcher Erfahrungen das Präsidium annimmt, daß sich diese Menschen bei uns nicht wohl fühlen werden. Wir könnten diesen Menschen eines geben: die Eingeordnetheit. Sie haben vielfach alte Bindungen aufgeben müssen und haben auf zionistischer Seite nicht immer die entsprechenden Möglichkeiten neuer Einordnung gefunden. Und wir ermöglichen ihnen auch eine reibungslosere und unseren Vorstellungen von den Aufgaben des Zionismus und insbesondere des zionistischen Akademikertums besser versprechende Einordnung in Palästina, wenn wir sie im menschlichen Kreis des KJV haben. Darüber hinaus müßte 25