Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus. Für uns war der Zionismus die Losung der Judenfrage. Und was lesen wir heute in der Rundschau? Wir lesen: der Zionismus ist nicht unbedingt die Lösung der Judenfrage,' Palästina kann sowieso nicht die Leute alle auf-» nehmen, und wir haben uns um Galuth zu kümmern. Wir aber erkennen Punkt 1 des Basler Programms an und sagen: wir sind keine Wanderungsgesellschaft und kein Kolonisationsverein. Die Politik der ZVfD hat es dahin gebracht, daß wir ein Kolonisationsverein geworden sind, und wenn Zionisten sich deshalb an die ZVfD wenden, so bekommen sie entsprechend abweisende Briefe, Wir haben hier eine zionistische Presse, die einseitig immer wieder betont, daß der Zionismus nicht unbedingt die Lösung der Judenfrage ist und daß Palästina nicht genügend Aufnahmemöglichkeiten hat. Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob man nicht diese ganze Diskussion auf spätere Zeiten verschieben soll. Aber eins muß ich sagen: bei allem Verständnis für Taktik in politischen Endzielen lasse ich nicht mit mir handeln, und ich lehne die heutige Leitung der Zionistischen Vereinigung ab, weil sie ihr Ziel aufgegeben hat. Wenn ich die letzte Nummer der Rundschau ansehe, so sehe ich noch § 1 des Basler Programms dort stehen. Aber ich bin dafür, daß wir nicht nur theoretisch an Punkt 1 des Basler Programms festhalten. Wir sind bei der Zusammensetzung der jüdischen Gremien in Deutschland zum Fifty-Fifty-Prinzip gekommen. Fifty-Fifty soll in der Gemeinde sein, und doch hat der Zionismus zunächst in keiner Gemeinde den Vorsitz. Ich bin an diese Frage unter ganz anderen Gesichtspunkten herangegangen, und nach Erlaß der Nürnberger Gesetze sagte ich mir, daß es vielleicht zweckmäßig wäre, einen jüdischen Volksrat zu gründen und jedem Juden frei zu stellen, ob er zu uns kommen will und kann. Ich hatte in dieser Frage an die Staatszionistische Organisation, an den Volksbund, den Makkabi und die ZVfD geschrieben; die beiden letzteren hielten es nicht für nötig, überhaupt zu antworten. Es mag ja der Leitung vielleicht angenehmer sein, wenn sie keine Briefe dieser Art bekommt. Nun zum Problem der Beamten. Wenn einer immer wieder hört, daß stets dieselben Namen dastehen und daß über alle anderen hinweggegangen wird, so habe ich dafür keine Worte. Und ich schlage daher den „dicken Strich unter die Vergangenheit", von dem Benno Cohn gesprochen hat, sämtlichen zionistischen Vereinigungen vor. Ich schlage weiter vor, daß der Delegiertentag sich damit beschäftigt, Zionisten zur Verfügung zu stellen, um die Grundlagen zionistischer Politik zu beraten. Wenn wir uns nicht im größeren Kreis davon überzeugen können, daß Eure Meinung richtig oder falsch ist, so wird die Folge sein, daß viele sich verärgert zurückziehen. Wenn nun die Zionistische Vereinigung glaubt, demokratische Methoden nicht nötig zu haben, so erinnere ich zunächst an die Reichsvertretung. Daß hier keine Führerposition, wie Moses in seinem Interview sagt, beabsichtigt war, haben wir ja gesehen. Ich erinnere an das Verhalten des RJF. Ich kann nicht einsehen, daß wir nicht mehr hätten erreichen können, denn man kann doch nicht annehmen, daß wir unsere Ideologie haben aufgeben müssen zugunsten der Jewish Agency-Politik. Unser alter bewährter Kämpfer Alfred Klee hat gesagt, die Grundlage der Reichsvertretung könne nur die Jüdische Gemeinde sein. Und die ZVfD hat sich dazu hergegeben, Organisationen wie den Centraiverein, die bei richtiger Politik so gut wie erledigt gewesen wären, zu stützen; das gleiche gilt für den RJF. Noch ein Wort über die Gemeinde Berlins. Ich erinnere daran, daß die Affaire Prinz mit Volksversammlungen und Rundschauartikeln ausgetragen wurde, die im Sande verliefen. Ich kann noch eine Reihe von Tatsachen nehmen, die beweisen, daß unsere Leitung nicht die Autorität hat, die sie gern beansprucht. 24