Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186706--1149-3187216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den Bundesbrüdern in höherem Maße als bisher aufrecht zu erhalten/'. Ich glaube, der Kartelltag muß diese Forderung an die Bundesbrüder stellen, die in leitenden Positionen der zionistischen Bewegung tätig sind. Und wenn wir KJVer einerseits in den Vereinen und Gruppen arbeiten, andererseits aber auch entscheidend an der Leitung teilnehmen, beides auf der alten bundesbrüderlichen Grundlage, dann erfüllen wir eine wichtige Mission in der Bewegung und erleichtern unseren leitend tätigen Bundesbrüdern ihr schweres Amt. Richard Jacoby (Frankfurt a.M.): Liebe Bundesbrüder, ich möchte hier das in den Vordergrund stellen, wat das KJV spezifisch als solches betrifft. Nachdem unsere ursprüngliche Aufgabe der Erziehung praktisch aufgehört hat, ist die Verwertung der Erzogenen eine Sache der zionistischen Bewegung selbst. Ihr muß es jedoch gleichgültig sein, wo ihre tüchtigen Mitarbeiter ihre Vorbildung hergenommen haben. Ein Vorrecht für KJVer kann sie nicht kennen, und die anerkannte Tätigkeit vieler Bundesbrüder an allen Stellen ist nichts dem Kartell Eigenes. Was diesem als solchem bleibt, ist ein durch gemeinsames Erleben geknüpftes menschliches Band zwischen seinen Mitgliedern. Die Erhaltung dieser Beziehungen ist nicht gefühlvolle Romantik, sondern ein zionistisch-politisches Faktum. Hier liegt eine Möglichkeit, den Riß im Zionismus in der Zukunft zu überbrücken. Die Spaltung der Organisation, wobei auf beiden Seiten Bundesbrüder neben zahl« losen anderen Zionisten stehen, hat ihren Charakter als „Judenstaat unterwegs", aus dem man nicht austreten kann, schwer erschüttert. Die Neutralität des Kartells kann einen Unterschied zwischen „politisch*1 und „staatlich" insofern nicht machen, als eben die Gruppen, die sich gebildet haben, nicht durch einfaches Ignorieren verschwinden werden. Die Anbahnung einer Einigung hat zur Voraussetzung eine gemeinsame menschliche Plattform, so wie nur deshalb Jabotinsky und Ben Gurion miteinander verhandeln konnten. Die Zerstörung dieser Plattform, wie sie das palästinensische Kartell fertiggebracht hat, ist auf weite Sicht gesehen, politisch schädlich. Deshalb darf man diesem nicht eine Selbständigkeit einräumen, die durch die Trübung der palästinensischen Atmosphäre hier wie auch in anderen Fällen aus örtlichen Bedingungen gegen den Nutzen der Gesamtnation sich auswirkt. Das deutsche Kartell muß nicht nur. für sich, sondern allgemein zum Ausdruck bringen, daß es die Erhaltung seines in der Bundesbrüderlichkeit enthaltenen Kapitals für wichtig hält und es nicht einer augenblicklichen Situation zum Opfer zu bringen wünscht. Erwin Meyer (Berlin): Liebe Bundesbrüder, ich komme zum Zentralpunkt unserer Tagung. Es handelt sich um unsere Stellungnahme zu den Revisionisten. Wir Bundesbrüder von der Kadimah-Berlin wollten diesen Punkt von der Diskussion absetzen, weil wir andere Sorgen hatten, und wir mußten feststellen, daß das Präsidium nicht unserer Stimmung gemäß verfahren wollte. Und nun kam die Resolution des VJSt Hechawer, die dem Sinne nach besagt: Wir erkennen die zionistische Disziplin an; aber wenn einer so lange zu uns gehört hat, hat er sich das Recht erworben, nicht hinausgesetzt zu werden. Was das mit prinzipiellen Dingen zu tun hat, ist uns nicht klar. Wenn Tuchler, der an sich auf der rechten Seite steht, heute eine Stellung einnimmt, von der man nicht weiß, ob er hierbei als Politiker oder als Taktiker spricht, so kann ich das nur bedauern. Wir haben in der Presse gelesen, daß in Erez eine Histadruth harischonim gegründet worden ist, weil die alten Zionisten nichts mehr zu sagen haben. Ab wir vor 30 Jahren Zionisten wurden, kamen wir vom Traditionellen aus zum 23

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.