Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186706--1148-3187215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lange Zeit für die Sache gearbeitet haben, sind in erster Reihe dazu berufen, gegenüber der Inflation von neuen Menschen dasjenige zu sagen, was der Träger der zionistischen Idee in diesen Dingen zu sagen hat. Ich glaube, daß in der Leitung der ZVfD nicht alles in Ordnung ist. Es hat sich eine Menge Zündstoff .angesammelt, und es herrscht in weiten Kreisen Unzufriedenheit Es wird nicht gebilligt, daß es immer dieselben Personen sind, die in den verschiedenen Gremien — bald mit dieser, bald mit jener Funktion befaßt — auftreten. Es wird nicht für richtig gehalten, daß das immer nur Beamte sind. Es herrscht außerordentliche Unzufriedenheit mit der Organisation des Palästinaamtes. Es gibt viel Anlaß zur Kritik. Nicht, daß es da Dinge gäbe, die das Licht der Oeffentlichkeit scheuen; aber eine Organisation muß so beschaffen sein, daß auch nicht einmal ein Anschein in dieser Hinsicht erweckt wird. Es ist nicht richtig und gibt zu Mißdeutungen Anlaß, daß gleiche Personen, die die Leute im. Palästinaamt direkt oder indirekt beraten oder Entscheidungen treffen, auch den Transfer besorgen. Die Zionistische Organisation hat sich verändert. Der Zionismus ist nicht eine Auffassungssache geblieben, sondern hat heute eine ganz neue, sehr materielle Seite bekommen, und da heißt es, auf der Hut zu sein. Ich möchte die Dinge, die einen Zionisten alten Schlages beschweren können, nicht einzeln vortragen; es gibt noch eine Menge anderer Dinge, die in der gleichen Richtung liegen. Die Qualifikation der Auswanderer, die moralische Eignung der A 1-Zertifikats-Bewerber wird nicht genügend geprüft. Es gehen Leute hinüber, die kein Element des Aufbaus bilden, Leute, die uns Zeit ihres Lebens Knüppel zwischen die Beine geworfen haben usw. Wir haben auch das Empfinden, daß bei vielen, die hinausgegangen sind, das zionistische Empfinden erlischt, weil man sich um diese Leute nicht genügend kümmert, wenn sie erst drüben sind. Es handelt sich nicht immer um wohlhabende Leute, sondern häufig um Personen, die mit ihren £ 1000.— mühsam gerade noch hinübergekommen sind. Man muß sich um diese Leute kümmern; wir wissen nicht, was mit diesen Menschen wird, und zu dieser Kategorie gehören auch viele Bundesbrüder. Wenn ein entsprechender Informationsapparat aus dem Kreis bewährter Gesinnungsgenossen geschaffen worden wäre, die Leitung eine Kontrolle und einen Rückhalt sich selbst geschaffen hätte, würde diese Unzufriedenheit nicht vorhanden sein, wären viele Fehler vermieden worden. Wo werden die Dinge vorbereitet, wo werden die Transfer- oder so viele andere wichtige Fragen und Entscheidungen der zionistischen Politik in einem weiteren Kreise besprochen? Es ist, wie Benno Cohn ausgeführt hat, noch heute nicht der Riß unter den Zionisten der Gemeindevertretung überwunden. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß in diesem Augenblick der Zionismus in der Gemeindestube in zwei Fraktionen gespalten ist und seit Jahren gespalten war. Ich führe die Mißerfolge in der Gemeindepolitik sehr wesentlich auf diesen Umstand zurück, und wenn es ein größeres Gremium gäbe, in dem diese Dinge von einer Vielheit von Köpfen beraten würden, würde derartiges vielleicht nicht vorkommen oder in seinen schädlichen Wirkungen herabgemindert werden können. Uns fehlt heute auch eine Instanz, die über Aufrechterhaltung der guten Sitten wacht. Es ist wichtig, solche moralischen Instanzen, die über den Personen- und Parteistreitigkeiten der Politiker stehen, zu schaffen. Was können wir KJVer zu dieser Sache tun? Uns liegt eine Resolution des Ruder-VJSt vor, die ungefähr das andeutet, was ich gesagt habe. Ich schließe mich dieser Resolution als Delegierter der Hasmonaea an und schlage noch folgenden Zusatz vor: „Entsprechend der Arbeitsbereitscahft aller KJVer ersucht der Kartelltag die an leitender Stelle tätigen KJVer, die Fühlung mit 22

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.