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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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reicht naturgemäß zur Werbung nicht aus. Wir haben das Mittel des Werbezirkels angewandt und pflegen außerdem Menschen in Nachbarschaftsabenden zusammenzufassen. Wir haben uns die große Mühe gegeben, von der leeren Auswanderungspropaganda wegzukommen und Palästina hinzustellen als das Land ohne Krise, wo die Orangen wachsen« Wir haben uns die größte Mühe gegeben, statt bloße Auswanderungspropaganda zugleich echte zionistische Erziehung zu treiben. Und hier mag sehr vieles im Organ liegen. Jeder, der eine Reise durch Palästina gemacht hat, weiß, wie viele Menschen dort Enttäuschungen erlebt haben und behaupten, von zionistischer Seite über Palästina falsch unterrichtet zu sein. Man hört das allenthalben. Ich glaube, daß wir besonders im letzten Jahr dazu übergegangen sind, Palästina sehr kritisch darzustellen, insbesondere die Schwierigkeiten der Einordnung vollkommen realistisch zu schildern. Unsere Bemühung hat ihre Grenzen. Man kann eben ein ganz fernes Land nicht vollkommen realistisch den Menschen vor Augen stellen. Es gibt oder gab bei uns eine Richtung, die sagte, wir sollten überhaupt keine Propaganda mehr machen, wir sollten die Tore der Zionistischen Organisation schließen. Wir haben dies abgelehnt. Ein großer Teil der Juden sind Auswanderungskandidaten, die mit oder ohne uns nach Palästina gehen, und wir müssen sie hier zu Zionisten machen, bevor sie in Palästina dem Zionismus endgültig verloren gehen werden. Wir müssen uns jedenfalls bemühen, die Frist hier mit intensiver Bildungsarbeit anzufüllen. Wenn wir davon sprachen, daß der Zionismus der Führer und Gestalter des Nationalisierungsprozesses sein soll, in dem das Judentum steht, sq ist eins der entscheidenden Mittel die Besetzung und Durchdringung der Instanzen, die das Judentum verwalten; das gilt für die Gemeinden, die Landesverbände und für die Reichsvertretung. Es gab Diskussionen über die Berechtigung oder Nichtberechtigung des zionistischen Führungsanspruchs. Manche sehr ernsthafte Zionisten waren gegen diesen Anspruch und stellten ihr — nach meiner Meinung zu Unrecht — die palästinozentrische Arbeit gegenüber. Gesiegt hat die Meinung, daß die Zionisten danach streben müssen, in die Verantwortung einzurücken, ohne aber die anderen aus ihr ganz zu entlassen. Wir sind m. E. längst nicht genug auf diesem Gebiete vorwärts gekommen. Wir haben einen guten Stand in der Reichsvertretung; aber wir sind in den Gemeinden noch sehr weit zurück. Wir haben freilich in der Berliner Gemeinde die bedauerliche Spaltung der Zionisten in zwei Fraktionen. Ich bin der Meinung, daß wir über den Grundsatz Fifty-Fifty hinaus danach streben müssen, die Instanzen des deutschen Judentums stärker zu erobern. Ein wesentlicher Teil unserer Anstrengungen muß diesem Felde gewidmet sein. Höchst wichtig ist ferner die Arbeit für die jüdische Schule. Vom 1. April an wird das neue Gesetz in Kraft treten. Wir müssen die neue Schule aufbauen. Die zionistischen Lehrer sind aber zum großen Teil aus Deutschland abgewandert. Es ist unendlich schwer, mit einem Lehrermaterial, das jüdischen Dingen vollkommen fern steht, das Schulproblem zu lösen. Wir haben jetzt eine Lehrerarbeitsgemeinschaft in Berlin gebildet, mit dem Ziel der Judaisierung der Schulen. Diese Arbeit stößt auf unendliche Schwierigkeiten, weil uns die Menschen fehlen, die diesen großen Judaisierungsvorgang lenken können. Jedenfalls wird es eine entscheidene Aufgabe der Zionisten sein, die Schulen jüdisch zu machen. — Noch ein Wort zur Frage der Autonomie der Kulturarbeit. Die Zionistische Organisation hat sich bis vor einigen Monaten gegenüber dem Kulturbund, an dem sie starke Kritik zu üben hatte, distanziert verhalten; wir sind jetzt, wo die Zentralisierung kam, im Begriff, 18

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