Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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alten nicht nach. Und die Frage ist nun: Was fangen wir mit diesen neuen Zionisten an? Viele sind gewiß durch ökonomische Interessen zu uns geführt worden. Unsere schwierige Aufgabe ist es, aus Auswanderungsinteressenten Zionisten zu machen. Wir haben das mit einer Reihe von Mitteln versucht, die in dieser Planmäßigkeit früher nicht vorhanden waren. Wir haben ein großes Schulungswerk aufgebaut. Der deutsche Zionismus ist fast eine einzige große Fuxenstunde geworden. Es ist niemals soviel gelehrt und gelernt worden wie in den letzten Jahren. Wir haben eine elementare Schulung für „Anfänger". Wir haben dann Gruppenverbandsseminare als mittlere Stufen der Erziehung eingeschaltet. Die Krönung bilden unsere zentralen Seminare in Lehnitz, wo die noch in den unteren Stufen ausgesiebten Zionisten sozusagen mit den Spitzenfragen der zionistischen Wissenschaft bekannt gemacht werden. Wir haben uns also bemüht, die Arbeit in ein gewisses System zu bringen, um Durcheinander und Kräfteverlust zu verhindern. Die Menschen traten mit ungeheurem Wissensdurst an unsere Sache heran. Es macht deshalb Freude, in dieser Erziehungsarbeit zu stehen. Und ich möchte an die Bundesbrüder, die pädagogische Neigungen haben, appellieren, sich für sie zur Verfügung zu stellen. Die Ortsgruppe hat durch diese Veränderung allmählich ein anderes Gesicht bekommen. Die Bezirksveranstaltungen und Mitgliederversammlungen sind etwas in den Hintergrund getreten, und ein großer Teil der Arbeit ist in kleinere Kreise verlagert worden, Arbeitsgemeinschaften, wo etwa 20 Menschen gemeinsam lernen. Wir sind jetzt in der letzten Entwicklung dazu übergegangen, diesen Arbeitskreisen verpflichtenden Charakter zu geben. Die Organisation, die eine Massenorganisation geworden ist, kann ihre Aufgaben nur bewältigen mit einem zuverlässigen Stamm von echten Mitarbeitern, die ganz und gar mit ihrer Aufgabe verbunden sind. Ich möchte an die Diskussion erinnern, die kurz vor 1933 angeregt wurde von Bbr. Mansbach (Essen), der dem Zionismus im Gdud Awodah eine Elitegruppe zur Verfügung stellen wollte. Wir haben nach langem Schwanken davon abgesehen, eine Art Orden der aktivsten Zionisten außerhalb zu schaffen, und wir haben es für richtig gehalten, diesen Kreis innerhalb der Organisation zu bilden. In allen mittleren oder größeren Ortsgruppen Deutschlands sind solche Kreise im Entstehen begriffen, Ansätze zu einem neuen Gdud Awodah der zionistischen Arbeit. Die Arbeit wird heute mehr als früher von hauptamtlichen, geschulten Kräften getragen. Man hat gesagt, die Arbeit würde nur von Beamten gemacht. Das beruht entweder auf Unwissenheit oder auf Verleumdung. In allen Zweigen unserer Arbeit wimmelt es geradezu von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Eine KKL-Aktion in Berlin bringt viele Hundert von Menschen auf die Beine. In der Mehrzahl der Ortsgruppen gibt es nur ehrenamtliche Mitarbeiter. Wir werden auch weiter neue Beamte einstellen müssen; aber wir haben die Gefahr der Beamtung und Bürokratisierung durchaus im Auge. In den ZVfD-Blättern haben wir ein wichtiges Organ der Information für unseren internen Kreis geschaffen. Diese gesamte Tätigkeit zielt in entscheidender Weise auf Schaffung einer neuen Elite des Zionismus ab. Wir sind im Begriff, diesen Kern zu konsolidieren, so schwer es auch bei der Abwanderung uns fällt, und wir glauben, die ersten Erfolge schon verzeichnen zu können. Wie bekommen wir neue Menschen? Wir leisten umfangreiche Werbearbeit. Die Zionistische Organisation war die erste jüdische, die 1933 öffentliche Versammlungen abhielt. Die anderen jüdischen Organisationen machten es in bescheidenem Umfange nach; aber wir waren, wie ich glaube, führend, was die Zahl und die Größe der Versammlungen betrifft. Die Versammlung 17