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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 16

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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vorwärts und einen rückwärts, und es gibt unaufhörliche Rückfälle in die alte Assimilation, Ein ständiger Kampf spielt sich ab zwischen den Kräften des Alten und den Kräften des Neuen. Man muß immer wieder solche Rückfälle verzeichnen. Fünf Generationen der Assimilation sind nicht in drei Jahren wirkungslos zu machen. Was ist nun die spezielle Funktion des Zionismus seit 1933, in diesem neuen Ghetto, dem ersten „postassimilatorischen" der jüdischen Geschichte? Der Zionismus hat der Gestalter des Prozesses zu sein, in dem die deutschen Juden seit 1933 zum jüdischen Volk zurückkehren. Seine Bewegung ist das Feuer, das die Juden in einen neuen Zustand zum Volke umschmelzen muß» Er hat der Führer dieses riesigen Verwandlungsvorganges zu sein. Mit welchen Mitteln und Methoden hat der deutsche Zionismus diesen Verwandlungsprozeß zu gestalten? Zunächst geht es um die. Schaffung einer lebendigen zionistischen Organisation als der Trägerin der großen Aufgaben» Wir waren 1933 in einer außerordentlich schwierigen Lage, Ein großer Teil der alten Zionisten war aus Deutschland gegangen. Andererseits machte sich ein großer Zustrom zur Zionistischen Organisation geltend. Wir sahen es als unsere Aufgabe an, zunächst einmal eine neue Organisation zu schaffen, die den grundlegend veränderten Verhältnissen wirklich gewachsen ist. Man kann sagen, daß es heute im deutschen Zionismus eine ganz neue Organisation gibt. Mit neuen Menschen: Nach einer Statistik, die wir aufstellen, sind ca. 90% der jetzigen Mitglieder der Zionistischen Organisation in der Zeit seit 1933 neu eingetreten. Mit neuen Methoden: wir mußten zunächst neue Zentralen schaffen, um die großen Aufgaben bewältigen zu können. Wir teilten das Gebiet neu in etwa 12 Gruppenverbände ein, die nicht nur, wie früher, lockere Zusammenschlüsse von Ortsgruppen, sondern wirklich autonome Träger selbständiger zionistischer Arbeit unter der Leitung der Berliner Zentrale werden sollten und auf dem Wege sind, es zu werden. Es gibt also außer der Zentrale Meinekestraße in Berlin noch 12 zionistische Initiativzentren, die ihr Gebiet möglichst intensiv bearbeiten. Dieser Weg hat sich bewährt. Wir wollen unsere Organisation so weit wie möglich ausbauen. Je schwankender der Grund ist, auf dem wir stehen, um so fester muß das Gebäude unserer Organisation sein, die ja der Transformator des deutschen Judentums sein muß. Die Arbeit ist schwierig, weil immer neue Menschen als Nachfolger der Abwandernden in sie eingeführt werden müssen. In Berlin haben wir bereits die fünfte oder sechste Schicht von Bezirksgruppenvorsitzenden seit 1933, die immer wieder neu an ihre Aufgaben herangeführt werden müssen. Ich sagte schon: ca. 90 % sind Neuzionisten. Unter alten Zionisten versteht man bereits Menschen, die im Herbst 1934 eingetreten sind. Das ist schon ein gewisses zionistisches Alter. So haben sich die Begriffe verwandelt. Und wir fragen: Wie steht es mit diesen neuen Menschen? Zunächst: die neuen Zionisten werden von den alten oft abgefertigt mit der Wendung, sie seien fast alle Interessenten. Ich glaube, das ist eine unerlaubte Charakterisierung. Zunächst, das müssen wir bedenken, sind wir fast alle „Interssenten" geworden, mit unserer Existenz und Zukunft auf Palästina angewiesen. Es ist also unzulässig, wenn mit dem Schlagwort „Interessenten" alle abgetan werden, die neu zu uns kommen. Unter den Neuzionisten gibt es eine große Zahl wertvollster Menschen, die wirklich mit derselben Erfülltheit wie wir in unserer Jugend an die zionistische Arbeit herangehen, im Zionismus nicht nur eine private Zukunftshoffnung, sondern ihre neue Lebensgrundlage gefunden haben. Es sind Menschen, darunter auch ein Teil der jüngeren Generation, die mit einem Einsatz arbeiten, wie er stärker nicht vorzustellen ist. Was zionistische Moralität und Einsatzwille betrifft, steht ein erheblicher Teil der neuen Zionisten den 16

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