Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186706--1139-3187206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tionen sich nicht mehr aus eigenen Mitteln, sondern nur mit Hilfe von Subventionen erhalten. Wir haben von keinerlei Seite irgendwelche Unterstützung zu erwarten und müssen aus den Beiträgen der Bundesbrüder in Deutschland unseren Betrieb und den „Jüdischen Willen" erhalten. Die Bedeutung des „Jüdischen Willen" hat ganz gewiß nicht in seinem literarischen Wert gelegen, obwohl hier vieles gebessert werden könnte, wenn nur ein Teil der Bundesbrüder, hier oder in Palästina, die zur Mitarbeit geeignet sind, sich mehr der Tatsache erinnern würden, daß wir gern bereit sind, Artikel und Aufsätze von ihnen zu veröffentlichen. Die Bedeutung des Jüdischen Willen lag vielmehr darin, daß er das (oft einzige) Band zwischen den an alle vier Enden der Erde Zerstreuten bildet, und in manchen Fällen, besonders für die nicht nach Palästina, sondern in das Ausland Gegangenen, die einzige Verbindung mit ihrer früheren Welt. — Ein besonderes Palästinaprogramm haben wir nicht verfolgt. Palästina ist so sehr Realität geworden für jeden einzelnen von uns, daß jedes Programm einer Gruppe wie der unseren dahinter zurückbleiben müßte. Wir tun für Palästina das Schwerste, was man tun kann: wir geben ständig unsere besten Menschen dorthin ab. Dabei warten wir bereitwillig auf das neue Wort, das von dort kommen, und auf die KJV-Lehre, die von Tel-Aviv ausgehen sott. Wir haben uns mit den besonderen Geschehnissen im KJV drüben früher ausführlich auseinandergesetzt. Wir glauben nicht, daß für die fernere Arbeit, die uns hier zu tun obliegt, entscheidende Hilfe von drüben kommen wird. Wir würden es aber begrüßen, wenn es, bei dem Hinübergehen unserer Menschen nach Palästina, auch drüben immer mehr als eine Aufgabe des KJV angesehen würde, für jeden geeigneten KJVer dort zionistische Aufgaben ausfindig zu machen. Und der Anspruch bewährter Zionisten um vorzugsweise Berücksich- tigung bei der Besetzung von Positionen im Aufbauwerk, ein Anspruch, den wir für legitim halten, sollte vom KJV hier wie dort mehr verfochten werden. Die Palästinareisen des KJV, die im Laufe dieser Jahre einen großen Teil unserer Menschen —1 viele leider erstmalig! — nach Palästina geführt haben, sind im letzten Kartelljahr mit unseren und uns nahestehenden Interessenten nicht weniger als achtmal wiederholt worden. Hierbei hat sich Georg Hirsch ein besonderes Verdienst erworben. — Und nun ein Wort zur politischen Haltung des KJV. Da wird nur Offenheit uns weiterführen. Wir haben die parteipolitische Neutralität, im Gegensatz zu anderen Auffassungen, zu unserer Richtlinie gemacht und uns gesagt, daß jeder Bundesbruder, gleichgültig ob er dem Misrachi, der Lichtheim-Gruppe, den Gruppen A oder B angehört, uns gleich willkommen ist. Dieser Kurs, der gegenüber bestimmten in Palästina entstandenen Tendenzen nicht leicht beizuhalten war, hat uns ermöglicht, daß wir in Deutschland, in einer Zeit der Spaltungen und Uneinigkeiten in der zionistischen Welt, ein einheitliches KJV geblieben sind. Aber parteipolitische Neutralität bedeutet nicht Verkennung staatspolitischer Grundgesetze. Ein solches Grundgesetz ist das der Einheitlichkeit der zionistischen Organisation, Klar kommt das zum Ausdruck, wenn wir von unserer Organisation als d e m Staate unterwegs sprechen oder vom Keren Hajessod als dem Steuerträger dieses werdenden Staates. Und ich glaube, es ist ein Widerspruch in sich, wenn auf dem Boden des Zionismus gleichzeitig mehrere Gebilde mit dem Anspruch auf Staatsähnlichkeit wachsenl Es bestand niemals ein Zweifel bei uns darüber, daß Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum KJV die Mitgliedschaft zur zionistischen Weltorganisation sei, — zu der ja auch die Revisionisten aller Schattierungen bis vor kurzem gehörten« Um diese Selbstverständlichkeit festzustellen, hätte es niemals irgendwelcher Be- 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.