Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Schlüsse bedurft, — Wir waren auch Gegner der Kollektivstrafen, die Menschen deshalb von uns schicken, weil irgendeine Gruppe, der sie angehören, irgendetwas Mißbilligenswertes getan habe. In alledem hätte es, wie gesagt, in diesen letzten drei Jahren keiner neuen Beschlüsse bedurft, da auf Grund früherer Beschlüsse Mitgliedschaft in der Weltorganisation als unerläßliche Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum KJV feststand. Erstmalig durch das Ausscheiden aus der Weltorganisation, wie es die Anhänger Jabotinskys vor kurzem getan haben, konnte nach unserer Auffassung die Frage akut werden: Was geschieht mit den Bundesbrüdern, die nunmehr aus der Weltorganisation ausgeschieden sind? Die Antwort ist schon nach dem Gesagten klar: sie haben durch ein eigenes persönliches aktives Handeln eine Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum KJV aufgegeben, damit haben sie sich auch außerhalb unserer Reihen gestellt, Ueber dieses Prinzip ist nie gestritten worden. Und wenn es jetzt aufgrund einer entsprechenden Klarstellung zum Ausscheiden einiger, übrigens sehr weniger, Bundesbrüder kommen sollte, die aus ihrer eigenen Entscheidung Konsequenzen ziehen, so wird doch durch unser dreijähriges Beharren auf unserem Standpunkt jede Spaltung und spaltungsähnliche Erscheinung des KJV in Deutschland vermieden sein und die Haltung des Präsidiums hier in den letzten Jahren eine Bestätigung erfahren haben. Dabei sage ich es offen, daß gerade die vorbehaltlose Anerkennung des staatspolitischen Grundgesetzes von der Einheitlichkeit der zionistischen Organisation es uns als zionistisch dringend geboten erscheinen ließ, in unserem Kreise solange als möglich diese einigende Basis zu erhalten. Wenn die Zeit für das Einigungswerk von Ben Gurion noch nicht reif war, so bedeutet das nicht, daß wir jemals die Hoffnung aufgeben, daß alle aufbauenden jüdischen Kräfte einheitlich in der zionistischen Organisation sich zusammenfinden werden. Wir können also denjenigen, die heute stolz darauf sind, „daß sie es gleich gesagt haben", nicht zugestehen, daß s i e recht und wir unrecht gehabt hätten, daß sie, nicht wir das Rechte gewollt hätten. Nicht immer sind Abstimmungsergebnisse für eine Bewertung maßgeblich; mehr sollten wir fragen, wo zeigt und bewährt sich gemeinschaftserhaltende und staatsbildende Kraft? — Ueber die allgemeinen Fragen des deutschen Zionismus werden wir im Anschluß an das Referat von Benno Cohn eine Aussprache haben. Sie wird das eigentliche Thema des Kartelltages bilden. — Was soll das neue Kartelljahr bringen? Aufrechterhaltung dessen, was wir noch haben, verstärkte Fortsetzung des Begonnenen. Das bedeutet noch stärkere Eingliederung jedes einzelnen in die zionistische und jüdische Arbeit. Wir wollen unseren Kreis dabei nicht organisatorisch erweitern. Wir haben eine Reihe von Aufnahmegesuchen abgelehnt; denn auch das hat sich in diesen drei Jahren herausgestellt, daß unsere Menschen so spezifisch imprägniert sind, daß andere, die erst mit 30 und 35 Jahren und später zu uns kommen wollen, sich nicht mehr völlig einbeziehen lassen. Nur, wer einmal zu uns gehört hat, findet, wie die zahlreichen Wiederaufgenommenen zeigen, sich ganz in unseren Kreis, — Eine andere Frage ist die Neugewinnung von älteren Menschen, besonders von Akademikern, für die zionistische Sache. Diese Aufgabe haben einzelne von uns in dem sogenannten Jüdischen Klub erfolgreich in Angriff genommen; diese Aufgabe wird das Kartell in ganz bestimmter Richtung, für die Vorarbeiten schon geleistet sind, im kommenden Jahre fortführen. — Ich wiederhole zum Schluß und sage es mit großem Ernst; Ich glaube nicht, daß die Posaune zur Befreiung und Erlösung des jüdischen Volkes vom KJV 14