Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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überholt« Der Leiter eines Bezirksverbandes berichtet zum Kartelltag: „Ich bin jetzt der einzige KJVer am Ort und nehme an, daß ihr kein Interesse daran habt, über mein Verbindungsleben Auskunft zu erhalten/' Ein anderes Bild bietet das KJV in Berlin. Wir begannen hier das neue Kartelljahr mit Veranstaltungen für das gesamte Berliner Kartell, Wir hatten sieben gut besuchte Abende mit Vorträgen und Aussprachen über aktuelle und allgemein zionistische Themata. Aber dann begann die Hochflut des jüdischen Lehranstaltsbetriebes; als wir es in Berlin auf drei Lehranstalten gebracht hatten, glaubten wir unsere allgemeinen Abende nicht, gleichsam als vierte KJV- Lehranstalt, aufrecht erhalten zu sollen. Wir beschränkten uns, von der großen Reichstagung des KJV im November abgesehen, auf Zusammenkünfte der Altherrenbünde, von denen insbesondere die Hasmonaea und zunächst der Rosenkranzbund häufiger zusammenkamen. Der Ruder-VJSt konnte in diesem Kar* telljahr sein 25jähriges Bestehen feiern. Hinsichtlich der allgemeinen zionistischen Arbeit gingen wir von der Erfahrung aus, daß sich öfter für Arbeitswillige nicht gleich die geeignete zionistische Tätigkeit fand und daß es ebenso wichtig ist, Arbeitsmöglichkeiten herauszufinden, wie an die Bundesbrüder heranzutreten. Beim Rosenkranzbund wurde die ausnahmslose Bereitschaft erreicht, zionistische Arbeit zu übernehmen. Es war aber nicht möglich (und keineswegs aus „bösem Willen" der zionistischen Stellen), alle Anwärter sogleich entsprechend zu beschäftigen. Aber es wurden wichtige neue Anfänge und gute Fortschritte gemacht; manche Bundesbrüder kamen neu in die Arbeit hinein. Wenn Ihr Euch die Mitarbeiter des Palästinaamtes und der Fonds anseht, so findet Ihr eine große Anzahl von KJVern, und zwar von solchen, die früher nicht da waren; so in allen zentralen und lokalen zionistischen Stellen. Und in den anderen jüdischen Gremien, der Reichsvertretung, den Großgemeinden ist es nicht anders. Ueberall sind KJVer neu in die verantwortliche Arbeit hineingekommen. Gegenüber den unsachlichen Kritikern des KJV sei festgestellt, daß der Anteil unseres zahlenmäßig so gering gewordenen Kreises in diesen W2 Jahren in allen Betätigungsarten zionistischer Arbeit erheblich gewachsen ist. Ich sage das nicht, weil ich der Meinung bin, wir könnten mit dem Erreichten zufrieden sein, auch nicht, weil ich glaube, daß jede Arbeit eines KJVers dem KJV anzurechnen wäre, aber es muß einmal festgestellt werden, daß das KJV noch heute das Reservoir für qualifizierte zionistische Arbeiter ist und daß sich die Methode der Ausfindigmachung von Arbeitsmöglichkeiten und der individuellen Eingliederung bewährt hat. Allerdings bedeutet Mitarbeit heute in zunehmendem Maße berufliche Mitarbeit, nicht nur ehrenamtliche. Das ist sowohl ein Ausdruck der veränderten wirtschaftlichen Situation, in der sich viele von uns befinden, wie auch der veränderten jüdischen Situation, die immer mehr hauptberufliche Arbeit erfordert. — Viele sind fortgegangen, res ad triarios venit. In der immer stärkeren Beteiligung der noch Hiergebliebenen an der zionistischen Arbeit, in welcher Form immer, sehe ich eine, wenn auch spätreifende Frucht jahrelanger Erziehungsarbeit des KJV. — Wirtschaftlich haben wir manchen Bundesbrüdern durch die Tat, vielen durch Rat helfen können. Einigen Jüngeren wurde die Umschichtung durch direkte Zuschüsse von uns ermöglicht. In Zertifikatsangelegenheiten hat Georg Hirsch in zahlreichen Fällen die Sache der Bundesbrüder vertreten. Es wird Euch verständlich sein, wenn ich über alle diese Dinge keine Einzelheiten berichten kann, weil sie mit der Nennung von Namen verbunden wären. — Dabei war es nicht einmal leicht, unseren eigenen kleinen Apparat finanziell aufrecht zu erhalten. Wir wissen alle, daß sehr große jüdische Organisa- 12