Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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soll die Mandate der Delegierten prüfen, alle Anträge durchberaten, bevor sie vor das Plenum kommen, und etwaige sonstige Personalvorschläge machen« In das Kartelltagspräsidium werden auf Vorschlag Joel-Breslau gewählt: Arthur Stein, Kurt Tuchler, Egon Rosenberg, Manfred Rosenthal-Breslau, Alfred Moser-Frankfurt, Georg Hirsch. In die Permanenzkommission: Martin Exiner, Felix Jacobsohn, Alfred Oster-Köln, Walter Fischer-Hindenburg, Hans Klee, Maurice Hirschfeld, Ernst Gotthelf, Martin Hennig« Rechenschaftsbericht (gekürzt). Ich möchte im Anfang meines Berichtes über das abgelaufene Kartelljahr meine Bemerkung von gestern wiederholen, daß auch ein Auflösungs- und Uebergangprozeß jahrelang dauern und seine eigenen Gesetze herausbilden kann. Zu den Anschauungen über das KJV hier, über die im vergangenen Jahr noch gestritten wurde, und die sich jetzt wohl als allgemein gültige herausgebildet haben, gehört zunächst die Auffassung, daß wir unseren Verband hier aufrecht erhalten werden, wenn auch vielleicht nicht bis „zum letzten Mann", der zurückbleibt, so doch solange, wie überhaupt Bundesbrüder in beachtlicher Zahl in diesem Lande leben und wie sich einige wenige von ihnen für die verantwortliche Arbeit bereit finden. Diskussionen über Auflösung oder Fortbestand wird es auf diesem Kartelltag kaum geben. Das zweite ist der bewußte Verzicht in der früher viel erörterten Frage des eigenen jugendlichen KJV-Nachwuchses. Da wir jugendliche Bundesbrüder in Deutschland kaum noch haben, ist die zwanglose Verbindung zu zionistischen Jugendbünden nicht mehr gegeben. Die Mitarbeit einzelner KJVer in den Organisationen der Jugend gehört in den Rahmen unserer zionistischen Arbeit überhaupt und bezweckt keineswegs die Heranführung eines eigenen KJV- Nachwuchses in Deutschland. Wir sind uns in diesem Kartelljahr noch weiter darüber klar geworden, daß es unsere bescheidene Aufgabe ist (aber eine AufgabeI), überhaupt zusammenzuhalten und in einer Zeit, in der sich überall die Schlacken der Verwirklichung zeigen, in unserem Kreise die Reinheit der zionistschen Idee zu wahren. Das meinte offenbar auch der Bundesbruder, der auf einem der Kartelltagskonvente sagte: „Wir KJVer wollen uns unseren Zionismus von keiner guten und von keiner schlechten Konjunktur versauen lassen." Die zweite Aufgabe, die wir nicht nur seit langem sehen, sondern mit zunehmendem Erfolg auch erfüllt haben, ist die, diesem Kreis des KJV immer wieder zusätzliche Impulse für jede Art zionistischer Betätigung zu geben und darauf hinzuwirken, daß unsere Bundesbrüder individuell eingegliedert werden in jede für sie mögliche Form der zionistischen Arbeit. Ich werde über diesen Punkt noch ausführlich sprechen. Ich möchte aber jetzt schon mit Deutlichkeit sagen, daß ich es nicht als Ausdruck einer besonderen „Richtung" betrachte, wenn hier wieder ganz allgemein gehaltene und meines Erachtens leere Appelle für „restlose Erfassung", „letzte Einsatzbereitschaft" befürwortet und neue Ausschlußdrohungen ausgestoßen werden sollen. Den Befürwortern solcher flammenden Aufrufe erkläre ich mit Deutlichkeit: Ich glaube nicht, daß die Posaune zur Erlösung und Befreiung des jüdischen Volkes vom KJV geblasen werden wird. Ich empfehle aber den Posaunenbläsern, auch außerhalb der Kartelltage an unserer bescheidenen Arbeit teilzunehmen. — Von den sieben Bundesbrüdern, die ihr auf dem 14. Kartelltag in das Präsidium gewählt habt, sind im abgelaufenen Jahre nicht weniger als vier nach 10