Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186706--1135-3187202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zionistisches Wissen und zionistische Erziehung zu geben haben* In Tel-Aviv ist ein Aktivenkreis im KJV, der die Aufgabe übernommen hat, die ehemaligen Angehörigen der FWV in Tel-Aviv — die FWV war eine paritätische Verbindung ohne Arier, ganz assimilatorisch — in ihren Kreis zu ziehen. Für diese unsere früheren Gegner sind in Tel-Aviv Kurse eingeführt worden, um sie in das Judentum hineinzuziehen. Der deutsche Zionismus kann sich nicht erschöpfen im Transfer von Menschen und Geld. Es bleibt doch eine große Zahl von Juden in Deutschland, und um diese Menschen muß man heute ringen. Sprach man früher von Galuthaufgaben, so waren das Dinge, mit denen sich auch die Assimilanten beschäftigten. Heute ist es so: das Galuthproblem des Zionismus ist die Nationalisierung der entwurzelten Juden in Deutschland. Und das ist eine ganz große organisatorische Aufgabe des KJV» Noch ein Drittes. Die zionistische Organisation ist durch den Weggang vieler Menschen ungeheuer geschwächt. Ich erwähnte, daß wir KJVer der zionistischen Organisation Führer und Mitarbeiter in Menge gaben. Und gerade diese Besten sind weg von hier. Die ZVfD und der Keren Hajessod entbehren diese Mitarbeiter. Wir müssen diese Mitarbeiter stellen, und zwar in Form der ehrenamtlichen freiwilligen Mitarbeiter; und wir müssen solchen Einberufungen Folge leisten. Unter diesen Bundesbrüdern gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die aus ihrem Berufe gerissen sind, und die geeignetsten von ihnen wird man auszeichnen, indem man sie berufsmäßig in Stellen der zionistischen Vereinigung oder des Keren Hajessod beruft. Ich glaube, jeder muß die Auszeichnung, die darin liegt, verstehen. Wir haben unter unseren Bundesbrüdern zu unterscheiden gehabt zwischen den aktiven Mitarbeitern der zionistischen Bewegung und einer gewissen erstarrten amorphen Masse. Und diese Masse gibt es auch heute noch. Auch heute gibt es in Berlin und in der Provinz Menschen, die vom Einerlei des Berufslebens so erfüllt sind, daß sie sich im zionistischen Leben nicht betätigen. Für diese Menschen eröffnet sich jetzt noch einmal der Weg zurück, die Möglichkeit, anzuknüpfen an das, was das KJV ihnen gegeben hat. Auch eine amorphe Masse kann jetzt unter der Einwirkung der Erschütterung in Bewegung geraten. Ich bin der Meinung, man soll nicht über Vergangenes sprechen, wo doch so Wichtiges vor uns steht. Wenn ich früher der Meinung war, man könne dieser amorphen Masse manche Entschuldigung zusprechen, so gilt das heute nicht mehr. Es ist ein Augenblick der Krise jüdischer Menschen, und wenn jemand in diesem Augenblick nicht das leistet, was von ihm verlangt wird, so haben wir nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, ihn auszuscheiden. Und so erwarte ich, daß als aktuelles Problem hier behandelt wird die In-Dienst- Stellung, die Reaktivierung der Menschen des KJV. Es geht um eine Rettungsaktion für die in Deutschland zurückbleibenden Juden. Wenn ich das, was uns 1901 an Leistungen vorschwebte, mit dem vergleiche, was wir erreichten, so muß ich sagen: es ist vieles erreicht, und manches übertrifft sogar unsere Erwartungen. Und so hoffe ich, daß auch diese Aufgaben, die vor uns liegen, erfüllt werden, und es ist eine Aufgabe des morgigen Kartelltages darauf hinzuwirken. Tagung am Sonntag, den 1« Dezember« Kurt Tuchler: Ich eröffne den 15. Kartelltag des KJV. Ich bitte um Vorschläge für das Kartelltagspräsidium und für die Permanenzkommission, die wir als einzige, anstatt der vielen Kommissionen von früher, wählen wollen« Diese Kommission 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.