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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lebnis der Vereinsamung und des Siebfindens mit Zionisten. Und nach dem Kriege war ein absolut einheitliches KJV da. Ich erinnere mich an den Kartelltag nach dem Kriege, wo man die größten Hoffnungen hatte; man stand unter dem Eindruck der BalfOurdeklaration und es herrschte eine Hochstimmung im KJV. Damals begann auch die Einwirkung des KJV auf die zionistische Organisation. Man wollte eine Schule guter Zionisten haben, und es zeigte Aich, daß es eine Führerschule geworden war. Eine Reihe führender Zionisten sind aus dem KJV. hervorgegangen, Männer wie Blumenfeld, Goldmann, Lichtheim, Rosenblüth u. a. Die Geschichte des deutschen Zionismus ist nicht denkbar ohne diese in maßgebenden Stellungen der zionistischen Bewegung tätigen KJVer. Das KJV war die Geburtsstätte für geistige Strömungen. Ich erinnere an die Jugendbewegung, an die Blau-Weiß-Bewegung. Ich erinnere ferner daran, daß Blumenfeld unseren Nationalismus als den jüdisch wesenhaften von dem anderer Völker abgrenzte und die Erfüllung des Nationalismus mit jüdischem Inhalt verlangte. Ebenso wie die Probleme des deutschen Zionismus finden im KJV auch die Kongreßprobleme ihr Spiegelbild. Die Austragung der Kämpfe fand immer wieder im KJV statt. Auch die Frage des Revisionismus hat das KJV bewegt, derart, daß es einmal beinahe zu einer Spaltung gekommen wäre, namentlich damals, als das KJV selbst ein Gegenstand des Kampfes zwischen der revisionistischen Richtung und ihren Gegnern geworden war. Und da war es die Jugend, die das KJV als die Stätte der Erziehung für alle Zionisten wieder herstellen wollte. Es kam das Jahr 1933. Es war das ein Augenblick, in dem das KJV den Beweis seiner Bewährung geben konnte. Es ist bedeutsam, daß in Palästina damals schon 200 KJVer waren unter nur 2000 Juden aus Deutschland. Und wenn wir später in Palästina sahen, daß das KJV dort auseinandergebrochen ist, so müssen wir das menschlich bedauern, und doch muß ich sagen, daß ich auch darin eine Bewährung des KJV sehe. Es gibt im KJV keine Möglichkeit einer Bundesbrüderlichkeit, die sich nicht gründen kann auf Gesinnungseinheit. Und wenn wir erlebten, daß in Palästina das KJV nicht standhielt gegenüber gewissen zionistischen Spannungen, so beweist das nur, daß dort das KJV nicht zu einer Kraft gemacht werden kann, die stärker ist als die zionistischen Probleme. Nun steht das KJV jetzt, im Jahre 1935, in einer Situation, in der manche meinen, das KJV habe seine Bestimmung erfüllt* Ich bin nicht dieser Meinung. Ich glaube, daß das KJV vielleicht vor der größten Aufgabe steht, die ihm in seiner ganzen Entwicklung jemals gestellt worden ist. Wir leben in einer Zeit, die die Liquidation des deutschen Judentums mit sich bringt, ich meine hier nicht die wirtschaftliche, sondern die geistige und soziale. Das deutsche Judentum ist heute völlig haltlos, und nur Palästina kann ihm Halt geben. Und wenn man heute sieht, daß Menschen erklären: „Wir haben uns geirrt", wenn wir sehen, daß dieses deutsche Judentum, das so eingewurzelt, so selbstsicher, so unsympathisch selbstsicher war, heute so erschüttert ist, dann müssen wir uns klar machen, daß für uns eine Aufgabe darin besteht, in diesem Augenblick der Erschütterung im deutschen Judentum unsere Aufgabe zu erfüllen. Wenn die Artikel der Jüdischen Rundschau assimilierte Juden erschüttern, dann ist nur noch eins zu tun: diesen Menschen ist eine Hand zu reichen; denn es gibt ungeheuer wertvolle Kreise im Judentum, die heute für unsere Arbeit zugänglich geworden sind. Es gibt noch eine jüdische Jugend in Deutschland, die nicht mit einer gewissen Immunität ausgestattet ist gegen die Ereignisse von heute. Und wir werden uns auf diesem Karelltag zu unterhalten haben, ob wir nicht diesen Menschen 8

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