Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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diesen Kreisen tat sich zusammen unter allen Formen, die die nicht jüdischen Verbindungen hatten, in sogenannten paritätischen Verbindungen, die aber nur in der Theorie paritätisch waren. Ich erinnere mich an eine paritätische Verbindung, über die man den Witz machte, der erste Chargierte müsse sich taufen lassen, damit wenigstens ein Christ in der Verbindung sei. Viele dieser Verbindungen trugen den Stempel der Lächerlichkeit, und es gibt in der Literatur auch einige Karikaturen darüber. Die Stolzeren taten sich zusammen als jüdische Verbindung. Der erste Impuls war eine Aufwallung. So entstand in Breslau der KC, der kriegerisch war, jüdisch aber nur zwangsweise und nur solange, als die Juden von nichtjüdischer Seite abgelehnt wurden. Es war ein etwas steriles Judentum. Als Reaktion darauf entstanden jüdische Vereine, die sich mit geistigen Dingen befaßten, und so entstand in Berlin und Leipzig der Verein jüdischer Studenten. Das Programm dieser Vereine erscheint uns heute sehr zahm. Aber man muß sich in die damalige Zeit versetzen. Damals war jedes dieser Worte von „positivem Judentum" eine aufsehenerregende Proklamation, die die Feindschaft des assimilierten Judentums hervorrief. Ich kann die Entwicklung bis zum KJV überspringen. Sie ist ganz natürlich. Der Boden für den zionistischen Gedanken war bereitet. Von der Begründung des Vereins jüdischer Studenten an ist eine naturgemäße Befruchtung des jüdischen Geistes durch den Zionismus eingetreten. Und ob diese Verbindungen nun programmatisch zionistisch waren oder nicht, faktisch waren sie es schon damals. Es war eine nur in verschiedenen Formen sich vollziehende zielbewußte Bewegung zum Zionismus. Auch dieser Zionismus war, gemessen an unseren heutigen Ideen, primitiv. Der Zionismus in Westeuropa war nach dem Klischee der nationalen Bewegungen Europas geprägt. Eine rein staatsphilosophische Auffassung, die nun mit jüdischem Wesen zu erfüllen war. Herzl schrieb den Judenstaat, ohne an Palästina zu denken. Die Idee der Gleichberechtigung der jüdischen Nation hatte jüdische Gemüter ergriffen, und da man sah, daß überall die Nationen ihr eigenes Territorium hatten, wollte man dies auch für die Juden erreichen. Mit dem Moment aber, wo der Gedanke der nationalen Rechte der Juden Fuß gefaßt hatte, empfand man das geistige Vakuum in dieser Idee, und es entstand das Bedürfnis nach Vertiefung des Zionismus. Der damalige Zionismus stellte zwar hohe Anforderungen an die moralische Phantasie des Menschen, der sich auf einen neuen Boden stellte; aber er schonte das tägliche Leben, das assimilatorische Leben des Juden. Es war ein in der Ferne liegendes Ziel, und die Sorge für die menschliche Umstellung konnte man ruhigen Gewissens künftigen Generationen überlassen, da selbst der siegesgewisseste Zionist nicht damit rechnete, im Laufe seines eigenen Lebens diese Idee verwirklicht zu sehen. Aber man kann natürlich nicht eine Idee im Schwebezustand lassen, wenn man sie zum zentralen Gedanken seines Lebens macht. Und in dem Augenblick, wo die Zionisten diese Idee weitertragen wollten, empfanden sie den Mangel an jüdischem ideologischen Gehalt im Zionismus. Und so kam die Vertiefung, die eigentlich ausging von den drei Reden Bubers. Das geistige Leben im KJV war von diesen Problemen beherrscht. Auch gab es im KJV schon Menschen, die die Forderung aufstellten, mit der Realität des Zionismus wirklich Ernst zu machen, die die Forderung stellten, wirklich nach Palästina zu gehen, und die gegangen sind; ich denke an Männer wie Brünn, Treidel, Biram, Auerbach und Loewy. Im KJV war man stolz auf diese Menschen. In diesem geistigen Milieu war die Reifung entstanden, die den Unterschied zwischen KZV und BJC wegfegte, und zwar unmittelbar am Vorabend des Krieges. Nun kam die Werbearbeit des KJV im Felde. Viele Juden sind damals im Felde Zionisten geworden durch das Er« 7