Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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latsene* Heute wollen wir uns ganz der Freude des Wiedersehens widme», der Freude an unserem Zusammenschluß, der Freude am Wachstum der zionistischen Sache, Egon Rosenbergs „Das KJV in der Geschichte des deutschen Zionismus"« Meine Damen und Herren, liebe Bundesbrüderf Ich erinnere mich, daft auf dem ersten Delegiertentag der ZVfD, im Mai 1901, eine aus zwei Studenten bestehende Kommission gewählt worden ist, der man die Aufgabe gestellt hatte, der zionistischen Bewegung in Deutschland eine akademische Gruppe, eine akademisch-zionistische Bewegung anzugliedern, die Studentenschaft zionistisch zu organisieren, kurz der zionistischen Bewegung das zu geben« was die Rolle der Studentenschaft in den Befreiungskämpfen aller Länder ist. Dies war eigentlich die Geburtsstunde des KJV. Denn von diesem Augenblick an begann wirklich eine zielbewußte Arbeit zur Schaffung einer akademisch-zionistischen Organisation in Deutschland. Ein gewisses Vorbild hatte man in der Rolle der Studentenschaft anderer Völker bei Befreiungskämpfen. Wenn ich hier das Wort Befreiungskampf gebrauche, so ist das kein Anachronismus. Denn man hat damals die zionistische Bewegung als eine analoge Bewegung zu den Befreiungsbedingungen anderer Völker angesehen, als eine Analogie zu den Bewegungen, die sich abspielten in Polen, in Südslavien und anderen Ländern. Ich erinnere an das Wort Ton Theodor Herzl, das Deutsche Reich sei entstanden aus Liedern und bunten Bändern. Das waren die Bänder der Studentenschaft die oft gegen den Willen des Staates und gegen den Willen der Dynastien den Gedanken des Deutschen Reiches propagiert haben, erfüllt von Idealismus, und die wirklich eine unerhörte Leistung in der deutschen Freiheitsbewegung, im Kampfe um die deutsche Einheit vollbracht haben. Daß dieses Vorbild auch in den äußeren Formen sich irgendwie ausdrückte, war selbstverständlich. Die jüdischen Verbindungen waren nach deutschem Vorbild eingerichtet. Im Befreiungskampf ihrer Völker waren die Studenten die Organisationen, Lehrer und Führer. Die österreichische zionistische Studentenschaft vereinte in sich zionistische Exekutive und Organisation. Ich möchte nur erwähnen, daß Herzl wichtige Entscheidungen nicht nur im Aktionskomit6 besprach, sondern mit diesen Dingen in den Konvent der Verbindung ging. Diese zionistischen Verbindungen in Oesterreich haben Bedeutendes geleistet. Man hat ihnen ganz konkrete Aufgaben gestellt, z. B. „Eroberungen" der Art, wie man jüdische Gemeinden in Oesterreich für den Zionismus zu erobern suchte. Das ging etwa so vor sich, daß der eine einen Vortrag hielt, ein anderer die Gemeindegrößen bearbeitete, und wieder andere tanzten mit den Töchtern und schlugen sich mit den Söhnen der Gemeindemitglieder. Und aus alledem entstand dann schließlich die zionistische Ortsgruppe. In dieser Weise wurde diese Kleinarbeit, die damals Großarbeit war, geleistet. Und ebenso war es mit der Erziehung. Wer hat die Kurse abgehalten? Es waren Studenten, die man nicht ohne weiteres als Studenten hätte erkennen können; Menschen mit langen Bärten. So war damals die zionistische Studentenschaft. Um die Jahrhundertwende begann in Deutschland der Prozeß der Ausgliederung der Juden, der sich zuerst in der akademischen Jugend manifestierte. Euch allen ist der Brief bekannt, den Herzl an seine Verbindung geschickt hat. Man ersieht aus diesem Herzl-Brief die ganze Verbundenheit Herzls mit seiner Verbindung. Er war ein Opfer des Ausgliederungsprozesses. Es gab drei verschiedene Formen der Antwort auf diesen Ausgliederungsprozeß. Ein Teil sprach von vorübergehenden Verhetzungen. Die Jugend aus #