Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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in Deutschland wäre; und immer waren wir beherrscht van einer doppelten Empfindung, wenn wir bei diesen Zusammenkünften die stärker gelichteten Reihen sahen; jeder fühlte sich bedrückt angesichts der vielen Lücken, weil er noch da sei, und empfand zugleich Freude, daß das K JV in Deutschland noch existiere. Wir haben in diesen Jahren unter anderem die Erfahrung gemacht, daß auch ein Uebergangszustand recht lange dauern und eigene Gesetze und Erfordernisse herausbilden kann. Wir leugnen es nicht, daß wir, die wir diese Jahre hier erleben — das Schlußkapitel einer geschichtlichen Epoche — als Menschen davon schwer betroffen sind. Diese zu Ende gehende Zeit war dadurch gekennzeichnet, daß wir als Bürger des Staates mit vollen Rechten an dem Leben der Umgebung teilnahmen; gerade ein Kreis von Aerzten, Anwälten, Chemikern, Beamten, von Söhnen und Brüdern von Kaufleuten würde nicht aufrichtig sein, gäbe er nicht zu, durch die Entwicklung der letzten Jahre beruflich, persönlich, materiell betroffen zu sein. Aber wir erleben diese Epoche zugleich unter historischem Aspekt, als Zionisten, die gewußt haben, daß diese letzten 150 Jahre im Gesamtbild der jüdischen Geschichte kein Endstadium, sondern eben nur eine Epoche darstellen. Etwas anderes ist es freilich, eine Sache immer gewußt zu haben; etwas anderes, sie selber zu erfahren. Wir erfahren es jetzt, wie das Judentum in Deutschland seine gesamte Struktur ändert, wie seine Menschen hinausströmen, in alle Länder der Erde und wie sie draußen vielfach, vom Standpunkt des jüdischen Volkstums gesehen, „versickern", bis auf die, die den Weg nach Erez Israel zu einem neuen jüdischen Leben finden. — In dem eigenen Bezirk der zionistischen Organisation und Bewegung haben wir in diesem Kartelljahr ernste Krisen durchgemacht. Es waren da insbesondere die Monate, in denen man darum stritt, ob das mit dem Namen von Ben Gurion verbundene Friedensabkommen durchgeführt werden solle, ob die Sünde der Spaltung vermieden werden könne. Es waren die schweren Tage des Kongresses, an denen nach langer Pause wieder Delegierte der Zionisten aus Deutschland teilnahmen. Es waren und sind die Sorgen des Aufbaus, an denen wir ständig teilnehmen, als an unseren eigensten Sorgen. — Und so stehen wir in einem zweifachen Erleben, als Einwohner dieses Landes und als künftige Bürger des Landes Palästina. Wir KJVer, die wir seit Jahrzehnten für eine jüdische Zukunft unsere Kraft eingesetzt haben, sind durch die äußeren Ereignisse nicht gebrochen. Wir stehen aufrecht und stolz da. — Freilich scheint mir dieser Restkreis des KJV überschattet von menschlicher Tragik, von der Tragik derer, die die ersten waren und vielleicht die letzten sein werden —■ die ersten in der Erkenntnis und die letzten in der Verwirklichung. Von der Tragik einer Gruppe, die inmitten einer immer stärker werdenden zionistischen Bewegung selbst immer geringer wird, weil ernste Gründe sie davon zurückhalten, hier einen nicht homogenen Nachwuchs heranzuziehen, Menschliche Tragik schließt nicht sachliche Bewährung aus. Die KJVer haben sich zionistisch bewährt. Als auf dem Kongreß in Luzern die Bundesbrüder zusammengerufen wurden, fanden sich über 50 ein, Delegierte und Kongreßteilnehmer aus allen Landern. Es zeigte sich, wie stark die einzelnen KJVer, wo immer sie leben mögen, an der zionistischen Arbeit teilnehmen» Vor kurzem sah ich in USA, wie auch dort KJVer überall Ansatzpunkte für zionistische Arbeit in unserem Sinne bilden, — Morgen werden wir Rechenschaft ablegen für die Arbeit des Präsidiums, von dessen sieben Mitgliedern nur noch zwei hier sind, Rechenschaft für die Anwesenden und für die Ausgewanderten, für das Getane und das Unter'* 5