Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 7 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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stellt die deutsche Abteilung eine Anleihe von £ 300 zur Verfügung. Das hierzu nötige Kapital kommt aus Aegypten, wo eine besondere Sammlung zu Gunsten deutscher Juden durchgeführt wurde, Um den Zusammenhang dieser Siedlung mit Aegypten zu dokumentieren, wurde auch der Name gewählt: Jedidiah, der hebräische Name des Philosophen Philo von Alexandrien. Trotzdem das Siedlungsprojekt und auch die Mittel für die Anleihe bereits seit 2 Jahren bereitstehen, entwickelte sich dieser Ansiedlungspunkt nur sehr langsam, und obwohl die Agency sogar einen eigenen Beamten Y\ Jahr eigens für die Vorbereitung von Kfar Jedidiah beschäftigte, sind bis jetzt erst 10 Familien dort angesiedelt. Die Ursachen dafür sind verschiedene. Kfar Jedidiah liegt in Emek Chef er, das zwar eine große Zukunft hat, das aber im Moment erst in den Anfängen seiner Entwicklung steht und besondere Schwierigkeiten bietet. Vor allem die außerordentlich schlechten Weg- und Verkehrsverhältnisse, die Malariagefahr, die allerdings in diesem Jahr schon viel geringer war als in früheren durch Entsumpfungsarbeiten, die die Regierung hat vornehmen lassen. Die deutschen Einwanderer, wenigstens in ihrem „nicht chaluzischem Teil" sind im allgemeinen von einem außerordentlichen Sekuritätsbedürfnis und können sich nicht oder nur schwer entschließen, derartige Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen. Neben diesen objektiven Schwierigkeiten traten auch eine Fülle von Schwierigkeiten in der Vorbereitung und Organisation der Siedlung auf, so daß die ersten Siedler erst nach einer ungefähr einjährigen Wartezeit den Boden besetzen konnten (Frühjahr 1935) und erst im Sommer in ihre Häuser ziehen konnten. Inzwischen befinden sich also 7 Familien bereits in ihren Häusern und beginnen langsam mit ihren Wirtschaften. 3 weitere Familien sind augenblicklich kurz vor dem Beginn. Die deutsche Abteilung ließ bereits zu Beginn des Jahres eine Wasserbohrung vornehmen, die eine Quelle von 200 cbm pro Stunde erschloß. Pumpe, Wasserreservoir und allgemeine Installation gehen dieser Tage ihrer Vollendung entgegen. 20 weitere Häuser und Kuhställe sind im Bau. Nach Beendigung der Wasseranlagen werden alle Siedler mit dem Aufbau bzw. weiteren Ausbau ihrer Wirtschaften beginnen. Da aber alle bisherigen Siedler weniger als das nötige Eigenkapital besitzen, verdienen fast alle bisher ihren Lebensunterhalt durch Außenarbeit und werden wohl auch erst im Verlauf mehrerer Jahre ihre eigene Wirtschaft soweit ausbauen können, daß sie von Außenarbeit unabhängig werden können. Die weitere Ausgestaltung der Siedler hängt in weitgehendem Maße von dem Hinzukommen neuer Siedler ab und dies betrifft auch das KJV. Bis jetzt sind in Kfar Jedidiah unter den 10 Siedlern 6 KJVer. Die deutsche Abteilung hält bereits seit ungefähr einem Jahr 15 Plätze für KJVer frei, bisher ohne Erfolg. Ich bin überzeugt, daß Kfar Jadidiah für eine größere Zahl von Bundesbrüdern geeignet wäre. Abgesehen von den wirtschaftlich guten Aussichten des Emek Chefer, ist der Ort landschaftlich sehr schön (auf einem Hügel mit weitem Blick bis zum Karmel und Hermon, dem Berge Ephraim im weiten Lande Emek Ghefer und mit Hügel- und Dünenketten, die dem 4 Kilomter entfernten Meere vorgelagert sind). Die Umgebung — Moschawim und Kibbuzim — schafft eine ähnliche Atmosphäre wie Emek Jesreel. Alle leben in dem Bewußtsein, an der Erschließung und Entwicklung einer neuen und wichtigen Gegend Erez Israels mitwirken zu dürfen und schließlich lassen die den Gesetzen der Moschwe Owdim angegliederten Statuten der Kooperative hoffen, daß sich Kfar Jedidiah in einem sozialen und zionistischen Sinne entwickeln wird. Herzlichst Schalom Euer gez. Franz Brüll. 188