Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 7 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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heimnis seines Wesens: Er war eben beides: Holzhacker und Prophet, Dichter und Realist, ein geistiger Lehrer und ein Mann der Wirklichkeit. — III. Und noch eine Perspektive soll hier zumindest angedeutet werden. B i a 1 i k ist die einzige Persönlichkeit, die das neue, in sich zerrissene und in Parteien gespaltene Judentum hervorgebracht hat, die parteilos vom gesamten jüdischen Volk als die große Führerfigur anerkannt wurde. Er ist zum Führer einer ganzen Generation geworden! Von der rechten Orthodoxie bis zur Arbeiterschaft in Palästina. Wie war dies nur alles möglich? — Es gibt viele Antworten. Eine davon ist richtig. Weil Bialik im Rhythmus seines Lebens den Rhythmus des jüdischen Volkslebens aufs genaueste widerspiegelt. Bialik ging durch alle Strömungen unseres modernen Judentums: er kam aus der „Orthodoxie", steckte selbst noch tief in der Welt der „Haskalah"' war einer der ersten „Chowewe-Zion" und schloß sich auch gleich am Anfang dem offiziellen Zionismus an und all diese Strömungen vereinigten sich bei ihm zu einem, großen Quell — der „Judentum" hieß. Wenn es ein Wort im Schaffen Bialiks gibt, das ihn genau charakterisiert, so ist es derBegriff des „kinnus", d.h. „derSammlung", des Einmündenlas s e n s alles Divergierenden in einen alles synthetisierenden jüdischen Zentralpunkt. Deshalb fand auch jede Form des jüdischen Lebens ihren Widerhall in Bialiks schöpferischer Arbeit. Deshalb fand auch das 2000 jährige Leid des jüdischen Volkes in allen Erscheinungsformen bei Bialik die beste literarische Widergabe. — Kein Wunder, daß sich jeder Jude in Bialik's Werken „heimisch" und angesprochen fühlte. Denn es gab ja keine Zuckung und keinen Pendelschlag des jüdischen Lebens, den er dort nicht wiederfand. Was er las, las er über sich selbst und er mußte sich als das alleinige „Du" fühlen, an das der Dichter seine Worte richtete. Das ganze Leben und Schaffen Bialiks stand unter dem Begriff des „kinnus". Wird unsere Generation sein Erbe antreten? Aus einem Brief von Franz Brüll Wir glauben, daß innerhalb des Kartells die Erörterung der Siedlungsmöglichkeiten mehr Raum haben sollte. Wir sind gerade in der Lage, nachstehend einen Brief von Bbr. Franz Brüll zu veröffentlichen, der über die im Entstehen begriffene neue Siedlung „Kfar Jedidjah" berichtet. Zu weiteren Auskünften stehen wir oder Bbr. Brüll gern zur Verfügung. Das Präsidium. Kfar Jedidiah Emek Chefer (Wadi Chawarit) Kfar Jedidiah wurde vor 2 Jahren von der deutschen Abteilung der Jewish Agency als Ansiedlungspunkt für deutsche Juden mit einem durchschnittlichen Eigenkapital von £ 700.— bis 1000.— geplant. Der Boden wurde vom K.K.L. zur Verfügung gestellt und umfaßt eine Fläche von ca. 800 Dunam, die für 45 Familien Ansiedlungsmöglichkeiten bieten soll. Für jede Stelle sind vorgesehen: 17% Dunam bebaubare Fläche, 2 Dunam am Haus, Dunam leichterer Boden, 7 Dunam schwererer Boden. Der Wirtschaftsplan sieht eine gemischte Wirtschaft vor, deren wesentlichster Zweck der Kuhstall sein ward, etwa derart: 6 Kühe, 100—150 Hühner, 6 Dunam Pflanzungen (Weingarten), 2% Dunam Gemüse und Obst. Für jede Siedlerstelle 187