Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 7 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Prinzip besteht zunächst in einer Summe von religiösen, sittlichen oder philosophischen Idealen, deren Träger zu allen Zeiten das jüdische Volk war . . . Kurz gesagt, das jüdische Volk lebt deswegen, weil in ihm eine lebendige Seele ruht, die um keinen Preis der Welt sich von ihrer Hülle trennen will und weil es hierzu von noch so schweren Prüfungen und Schicksalsschlägen, die für andere, minder starke Organismen von unfehlbar tödlicher Wirkung wären, nicht gezwungen werden kann, (S. 107 f,)" Daß Simon Dubnow den Gedankengängen Achad Haams nicht fernsteht, geht aus diesen Aspekten klar hervor, er war immer Anhänger eines kulturellen Zionismus, der die geistigen Werte dort wieder sammelt, woher sie schon einmal ein ganzes Volk beglückt haben. Es werden nicht nur säkularisierte Geistesströme sein, es werden auch religiöse Bewegungen unser Leben normalisieren. Eines aber wird der Meister, dem diese in Ehrfurcht dargebrachten Zeilen gelten, in der Mitte seines achten Lebemsjahrzehnts, freudig anerkennen: daß es geschichtsgerecht ist, was in Erez Israel hervorwächst, daß die Hegemonie der Galut der Hegemonie des Landes weicht zum Glück und zum Segen für unser Volk, dessen reiches und leidreiches Geschehen dargestellt zu haben, Simon Dubnow unter die großen Lehrer unserer Nation einreiht. Gedanken um Bialik (Zu seinem L Todestag.) Von Bbr. Max Nussbaum (Berlin), Schöpferischen Persönlichkeiten des Judentums geht es fast immer wie dem Judentum selbst. Seit Jahr und Tag versucht man eine Definition vom Judentum zu geben, ohne jedoch dem Problem näher zu kommen. Und dies nicht so sehr deshalb, weil die eine oder andere Theorie über das Wesen des Judentums nicht etwas Richtiges aussagt, vielmehr deswegen, weil das Judentum als Totalität einen Komplex von Erscheinungsformen darstellt, die in ihrer Fülle und Vielfältigkeit nicht auf eine Formel gebracht werden können, — Schon zu Lebzeiten Bialiks versuchte man, ihn zu definieren. Man zog Vergleiche mit Goethe und Carducci. Man stempelte ihn zum großen Lyriker und man nannte ihn den großen Prosaisten. Man sprach von ihm als dem großen Stilisten, als Schöpfer einer hebräischen Sprachrenaissance, und man vergaß nicht, ihn als den großen Pädagogen der Neuzeit hinzustellen. Heute, ein Jahr nach seinem Tode, wissen wir, wie arm uns doch all diese Definitionen erscheinen. Und dies wiederum nicht deswegen, weil die eben erwähnten Titel nicht ihre Berechtigung hätten, sondern allein deshalb, weil die Totalität der Persönlichkeit Bialiks mit ihrem ungeheuren Reichtum und dichterischen Qualitäten nicht in eine Formel gepreßt werden kann. Diese Zeilen beanspruchen auch keine Vollständigkeit aus diesen Gründen« Sie wollen zum Todestage B i a 1 i k's durch ein paar Beispiele an ihn erinnern. Und man ehrt einen toten Dichter am besten, indem man aufzeigt, was von seinem an uns überkommenen Erbe schon heute konkrete Gestalt angenommen hat. I. Das erste, was wir heute bereits übersehen können, ist seine ungeheure Bedeutung für die neuhebräische Literatur, Es ist natürlich in diesem Rahmen 185