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Der jüdische Wille · 1935-11-01 · Heft 7 (November 1935) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 7 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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fünf Jahren das siebente Dezennium seines Lebens beschloß. „Fünf Jahrzehnte eines an Mühen und Erfolgen reichen Lebens hat Simon Dubnow seine außergewöhnlichen Geisteskräfte in den Dienst der jüdischen Geschichtsforschung gestellt. Durch Erschließung und Sammlung neuer Quellen zur Geschichte der Juden in Rußland und Polen hat er Pionierarbeit geleistet, durch Organisierung von Instituten für jüdische Geschichtsforschung starke Impulse gegeben, durch den architektonischen Aufbau und die meisterhafte Darstellung der Gesamtgeschichte des jüdischen Volkes in weitesten Kreisen Begeisterung und Liebe für das Judentum geweckt." Diese Stimmung beherrscht den Freund jüdischer Geschichte und der mit ihr verbundenen Forschungsarbeit auch heute, wo der jugendlich frische Gelehrte wiederum von der ganzen jüdischen Welt beglückwünscht wird. Die fünf Jahrzehnte, von denen die Widmung spricht, hat Dubnow reich genützt. Wir müssen nur vom Anfang der Festschrift bis zu deren Ende blättern, wo wir eine Zusammenstellung von Simon Dubnows Abhandlungen und Schriften finden, die etwa 400 Nummern umfaßt, hauptsächlich Arbeiten zur Geschichte der Juden in Osteuropa, Vorarbeiten für seine Geschichte des Chassidismus, Bearbeitungen westeuropäischer Geschichtslehrer für die Zwecke des russischen Judentums. Hier geht seine theoretisch-wissenschaftliche Arbeit immer wieder in die praktisch-pädagogische Sphäre über, endet oft in einer Vermischung beider Kreise, wie wir es kürzlich bei seiner Arbeit für das jüdisch-wissenschaftliche Institut in Wilna beobachten konnten, wo auch das Interesse an einer wissenschaftlichen Durchdringung des Stoffes und gleichzeitig das Bestreben, dem jiddischen Kreis eine Stätte zu schaffen, von wo aus er auch praktisch wirken könne, sich gegenseitig ergänzten. Dubnow hat auch in seinem Leben verschiedene Kreise jüdischen Seins erfahren. Der Historiker erlebte am eigenen Leib so und so oft das Schicksal des Juden, daß er — wenigstens in seinen mittleren Jahren — das Geistige so bewertete, wie es als Erhaltungsmerkmal gewertet werden muß bei einem Volk, dessen äußere Erhaltungsfaktoren zeitlich bedingt, von außen abhängig und in ihrem zentralen politischen Bestand fast aufgelöst sind. Dubnow teilt das Schicksal vieler russischer Juden, die zu Hause keine Heimat hatten und auch auswärts nur zeitweise eine finden konnten. Wir trafen den aus Rußland ausgewanderten Gelehrten des öftern in Berlin, wo er seine große Geschichte zu Ende arbeitete. Sein offenes, entgegenkommendes Wesen machte jedem den Konnex zu ihm leicht und einfach und es bedeutete für die Jüngeren, die sich mit jüdischer Geschichte und deren Beschreibung befaßten, immer eine besondere Belehrung, wenn der alte Meister mit den jugendlich leuchtenden Augen aus seiner reichen wissenschaftlichen Erfahrung schöpfte, Aspekte eröffnete und auf Ausblicke hinwies, die neu und unerwartet waren. Als seinen besonderen Schatz behütete er seine kostbare Dokumentensammlung, viele Handschriften enthaltend, die er auf Grund eines Aufrufes zur Sammlung von historischen Dokumenten („Nachpessa wenachkora" 1892) erhalten, teilweise in einer Folge historischer Mitteilungen bereits publiziert, manches in seine große Gesamtgeschichte verarbeitet und schließlich den größten Teil dieser Ernte in seiner Darstellung des Chassidismus, die ja weniger auf die geistig-religiösen Unter- und Hintergründe der Bewegung ausgeht als auf die Schilderung der soziologisch-gesellschaftsbildenden Kräfte im Chassidismus, zu einem überwiegenden Teil als neues Material verwertet hatte. Während sein großes Geschichtswerk dem Erforscher westeuropäischen Judenschicksals noch manches Gebiet zu beackern oder doch immerhin zu begründen übrig läßt, ist Dubnow als der erschöpfendste Betrachten des osteuropäischen Judentums anzusprechen. Keiner hat mehr als er exakter als er die russische Judengeschichte studiert und dargestellt. Seine um- 179

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