Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 7 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186717--1106-3187173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
auf, wie denn die anderen Siedlungen zum gleichen Problem Stellung nehmen sollen. Nicht die Verfassung wird die Frage lösen, sondern ihre Lösung muß von der anderen Seite kommen, die die Brücke zur produktiv-schaffenden Sphäre des Landes durch nichts so finden wird, wie dadurch, daß sie in einem immer stärkeren Maße ein Teil von ihr wird. Und sie wird natürlich für ihr kulturelles Eigenleben Verständnis und Respekt von der anderen Seite verlangen — mit Recht sogar. Prognose vom Kongreß aus gesehen« Die letzte Exekutive verließ den Kongreß mit starker Gegnerschaf) der von Jabotinsky geführten Gruppen. Sie verließ ihn mit gewaltiger Schuldenlast, eingeschränkter Tätigkeit der Fonds und allen Sorgen, die hier dargestellt wurden. Zwischen ihrer trüben Eröffnungsbilanz und dem Luzerner Kongreß liegt die ansehnliche Expansion der vergangenen zwei Jahre, die mit allem Günstigen und allem Problematischen hier beschrieben wurde. Die neue Exekutive genießt Vertrauen aus der Tatsache, daß die führenden Köpfe der vorigen in ihr enthalten sind. Sie hat den Kongreß verlassen, mit dem Prestige, das sie auf Grund ihrer Erfolge auf jedem Gebiete bereits zum Kongreß mitbringen konnte. Sie geht an ihr Werk mit dem Vorsatz, ein ansehnliches Programm wirtschaftlicher Expansion und sozialer Sanierung in Angriff zu nehmen. Sie kann ihr Prestige in die Waagschale werfen, wenn sie daran geht, den wüsten Merkantilismus zu bändigen, der die Atmosphäre des Landes verdüstert. Sie wird zu einer neuen kolonisatorischen Eroberung schreiten, die heute wichtiger ist, als der Segen der Prosperity in seiner bisherigen Form. Die Zionistische Organisation kann nicht erwarten, daß ein Kongreß schon die Erneuerung der Bewegung ist. Eigene Bewährung und günstige Umstände haben der Exekutive die Möglichkeit gegeben, die quantitative Expansion fn einen neuen schöpferischen Zustand überzuleiten. Diese geschichtliche Stellung zwischen Ohnmacht, Expansion und qualitativer Ausgestaltung ist die Bedeutung dieses Kongresses. Man darf ihn nicht nach seiner reformbedürftigen representativ sein sollenden Eröffnungssitzung beurteilen, auch nicht nach dem oratorischen Segen der Generaldebatte und nicht nach seinen fragmentalischen Ergebnissen z. B. auf dem Gebiete der Organisationsreform. Entscheidend ist auch nicht seine Ergebnislosigkeit hinsichtlich der Lösung sozialer Streitfragen, die das Leben des Landes belasten. Wichtig ist vor allem der Umstand, daß die neue Exekutive in stärkerem Maße als bisher die Führung des Geschehens durch die Kräfte der Zionistischen Bewegung übernimmt, die Regulierung des Lebens durch die Moralgesetze de» Zionismus, die Anpassung der Realität an die zionistischen Aufbaupostulate, die Verkleinerung der Divergenz von Leben und Lehre. Deshalb gilt Bialiks einstiger Wehruf „Wieder sah ich Euch mit ohnmächtigen Händen" nicht für diesen Kongreß. Wir haben die Hoffnung, daß er unsere Bewegung vorwärts treiben wird. Zum 75. Geburtstag Simon Dubnows Von Bbr. Lothar Rothschild. I. In erhöhtem Maß gilt heute, was Dubnows Freunde und Mitarbeiter im der Widmung zu der Festschrift zum Ausdruck brachten, die sie dem Meister jüdischer Geschichtsschreibung in unserer Generation darbrachten, als er vor 178