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Der jüdische Wille · 1935-11-01 · Heft 7 (November 1935) · page 13

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 7 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Das Spiel der freien Kräfte« Unser Kongreß zeichnet sich dadurch aus, daß auf ihm das ideologische Spiel der freien Kräfte ungebrochen ist. Die nationale Arbeiterschaft bot auf diesem Kongreß das Beispiel einer Gruppe, die sozusagen den Takt hatte, von ihrer Macht keinen Gebrauch zu machen. Die Zeit wird lehren, ob diese Entsagung klug war, oder ob eine homogene Exekutive richtiger gewesen wäre, als eine solche, die eine Minorität der Arbeiter bei. der Abstimmung zur Zurückhaltung veranlaßte und den jungen Misrachi erschrecken ließ. Die Arbeiterschaft gestattet sich diese Großzügigkeit offenbar in dem starken Gefühl ihrer Kraft, in dem Gefühl, das ihr nichts zustoßen kann« So „schluckt" sie lächelnd Persönlichkeiten aus dem andern Lager, die ihr ferner stehen als mancher aus dem gleichen Kreis, der sich besser in eine von ihr getragene Exekutive einfügen würde. Man sollte diese urwüchsige Kraft einer ideologisch aus verschiedenen Quellflüssen gespeisten Gruppe zu schätzen wissen. Sie hat in ihren Reihen Menschen, die auch nach dem Ichud ihre ideeliche Herkunft nicht verleugnen (Baratz), sie hat Figuren und Köpfe, sie hat Temperamente, und es geht in ihren Reihen nicht kampflos zu; aber sie weiß es, ihre Führer zu erkennen und zu verwenden. Die Vertreter, die sie repräsentiert, sind wirklich ihre besten Kenner und Könner. Nicht jede Gruppe kann das. Von der unhomogenen Fraktion der Allgemeinen Zionisten, die keineswegs eine vergrößerte Kidmah ist, wie man glaubte, kann man nicht sagen, daß sie es verstanden hätte, aus ihren Reihen die personellen Möglichkeiten zu Gunsten der neuen Exekutive auszuwerten, die ihr zur Verfügung standen. Die Spannung zwischen beiden Seiten war nicht klein. Wer räumlich im Saale dort untergebracht war, wo in Zwischenrufen und Ausbrüchen aller Art die Polemik zur anderen Seite zum Ausdruck kam, konnte feststellen, daß der Inhalt der Polemik sich geändert hat. Sie ist vielfach einer aktuellen Welt entnommen. Die Polemik allerdings gegen die nationale genossenschaftliche Kolonisation ist schweigsam geworden. Der Hinweis auf die Unrentabilität der Siedlungen, deren Sozialtheorie ihre wirtschaftliche Entwicklung behindere, diese eigentlich soziale Auseinandersetzung, hat diesmal gefehlt, weil ihr die Argumente genommen sind: Die Siedler nehmen ihre Verträge ernst, sie beginnen Schulden zu bezahlen, wie richtige Kaufleute, sie bleiben keine „Köstkinder" (Farbstein in Wien 1925). Ruppin konnte auf diese alte Kontroverse referierend verweisen. Die deutschen Zionisten hatten die Funktion zu erfüllen, Vernunft gegen Affekte durchzusetzen. Tatsächlich hat der Kongreß unter ihrem Einfluß weniger mit Demonstrationen als mit verstärktem Aufbauwillen auf gewisse Galuthprobleme reagiert. Allerdings hatten wir zugleich Gelegenheit zu sehen, daß die eigenartige geistige Struktur des deutschen Zionismus sich auf dem Hintergrund des Gesamtzionismus durch eigene Tönung abhebt. Religion und Leben« Die Versöhnung der Arbeiterschaft mit der Misrachi rührte ein Problem an, das durch Verträge nicht lösbar ist, sondern nur durch Weitherzigkeit, Elastizität und Lebensnähe der Beteiligten. Das, was an der Forderung berechtigt ist, wurde von der Arbeiterschaft konzediert. Aber in einem Land mit arbeitsteiliger jüdischer Volkswirtschaft gibt es einen Alltag, der auch am Schabbath nicht aufhören kann. Der Schabbath ist kein Problem in Palästina, selbst Breuer hat das (mit Einschränkungen) 'anerkannt. Mußte ' schon der Kibbuz Rodges, mit dieser Wirklichkeit konfrontiert, zu einer Lösung greifen, die seinen Chawerim und seinen Freunden die nach einer Synthese von Religion und Leben suchen, wenig gefällt, so taucht die Frage 177

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