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Der jüdische Wille · 1935-11-01 · Heft 7 (November 1935) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 7 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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jüdischen Lebens. Trotzdem wissen wir, daß die diplomatische Methode noch nicht zum Erfolge führte (daß sie allerdings mit dem verfehlten Uganda- Projekt die zionistische Beziehung zu Lord Balfour eröffnete). Politik hängt mit Macht zusammen, und ein machtloses Volk, das Politik machen will, benötigte als Weg zum Erfolg zumindest die Macht der mit eigner Hand geschaffenen Tatsachen, Deshalb sind die von Ruppin beschriebenen 25 Jahre auch politisch die Zeit der Karriere des erfolgreichen Zionismus, des wehrhaft politischen Zionismus. Die Rückkehr Weizmanns, der in Wahrheit nie aufgehört hat der Führer der Bewegung zu sein, gibt Veranlassung zu diesem Rückblick des Jahres 1935 auf das Jahr 1908 und das Jahr 1887. Dieses Zusammenhangs der Probleme des Aufbaus mit den Problemen der Politik soll man sich in dem Zeitpunkt erinnern, wo der politische Zionismus in der Frage des Legislative Council mitten in eine Gefahrenzone hineinrückt und sich fragt, wie er aus ihr herauskommen soll. Der Legislative Council. Die Gefahr liegt zunächst in der objektiven Situation, angesichts der Opposition des aktiven arabischen Faktors, dem mit der teilweisen Uebertragung gesetzgeberischer Funktionen erhebliche Machtmittel in die Hand gegeben sind. Eine einhellige Opposition des ganzen Jischuv, der Organisation und des Kongresses, der vernünftigen und der unvernünftigen Elemente kann nicht auf die leichte Achsel genommen werden und muß überzeugend wirken in der Beurteilung der Gefahr und der Einschätzung der Echtheit dieser Opposition. Aber ein Kongreß, dessen politische Kommission sich in Form einer sogenannten Galuthkommission ein besonderes Gremium für unsere Existenzfragen in der übrigen Welt geschaffen hatte, scheint uns mit der besonderen Verpflichtung ausgestattet zu sein, politische Forderung und gegenüber einer Seite politische Entrüstung gegenüber einer anderen miteinander in Einklang zu halten. Gewiß hat jede Verständigungsbereitschaft ihre Grenze naturgemäß da, wo die elementaren Postulate des Zionismus und der Verwirklichung auf dem Spiele stehen. Kein Kunststück wäre es, sich zu verständigen, indem man der arabischen Opposition überließe, Tempo und Umfang unserer Ausdehnung zu bestimmen. Aber die politische Bewegung, die sich zur Opposition anschickt, hat zwei Verpflichtungen: Selbst konstruktiv die Lösung des Problems in Angriff zu nehmen, also selbst brauchbare Wege zu gehen. Und sie hat weiterhin die Beziehungen zur Mandatarmacht nicht von dem demostrativen Temperament des rechten Flügels regulieren zu lassen, der ausdrücklich versprach, revisionistische Traditionen zu wahren und bei verschiedenen Gelegenheiten bewies, daß er das Versprechen zu halten gedenkt. Die Regulierung unseres Verhältnisses zur Mandatarmacht hat mit einer eigenen, durch Augenmaß temperierten Haltung zu erfolgen. Politische Erziehung muß es möglich machen, die Opposition in jenen Grenzen zu halten, die durch die realpolitische Erkenntnis des Angewiesenseins auf die Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht gewiesen sind, der gegenüber man manches Argument in die Wagschale werfen kann* Die feinformulierende englische Diplomatie hat uns einmal den Rat gegeben, den Aufbau mit jüdischem Kapital, mit jüdischer Intelligenz und jüdischen Menschen durchzuführen und uns nicht auf andere Kräfte zu verlassen. Damals war diese Mitteilung aus dem Munde unseres besten Freundes Balfour eine Enttäuschung, im Augenblick ist der Rückblick auf 15 Jahre der Arbeit mit eigenen Mitteln ein eminent gewichtigeres Argument als etwa der Hinweis auf den Verfall des Parlamentarismus, ein Argument, das dem Kongreß schlecht ansteht, den Kern der Sache nicht trifft und wenig überzeugend gegenüber dem englischen Verhandlungspartner ist« 176

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