Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Präsidium bekennt, weder Material gesammelt noch Erhebungen veranstaltet zu haben. Es will aber Strauss gern überlassen, beides zu tun« Der Apparat des Präsidium steht ihm zur Verfügung. Auch einen Aufruf haben wir nicht erlassen und werden ihn nicht erlassen» Den Geist der staatsbürgerlichen Verantwortung nämlich, von dem die Frage der Bodenspekulation nur ein Teil ist, zu wecken, ist gerade Aufgabe der politischen Erziehung des Kartells, die Strauss ablehnt. Die Erziehung durch gedruckte Deklamationen lehnen wir ab. Buchbesprechungen Maimonides ~~ uns nahegebracht (Abraham Heschel „Maimonides", Erich-Reiss-Verlag, 1935.) Aus der Fülle der Publikationen, die sich im Jubiläumsjahr des 800. Geburtstages des Rambam über uns ergossen hat, wird der durchschnittliche KJV.er bestenfalls ein paar Zeitungsaufsätze gelesen haben. Die Wirkung solcher Lektüre kann weder tief noch nachhaltig sein. Aber gerade die eigenwillige und in die Jahrhunderte wirkende Persönlichkeit des Maimonides verdient, immer wieder in das Bewußtsein unserer Zeit gerückt zu werden. Das jüdische Mittelalter endete politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich gewiß erst um 1800; aber in seiner Person bildete bereits der erste „Aufklärer", der der Rambam in seinem geistigen Pfadfinderfum war, einen frühen Uebergang von der Gebundenheit seiner Zeit zum freieren Gedankenflug des ausgehenden Mittelalters. Erkenntnis ist ihm die höchste Aufgabe menschlicher Geistesbetätigung; nur für sie ist der Mensch, wenigstens der höher organisierte Mensch, überhaupt geschaffen. Freilich nicht Erkenntnis schlechthin, sondern Erkenntnis Gottes: also keine freie Erkenntnis, sondern eine, der das Erkenntnisziel gegeben war; da aber Gott doch auch wieder als unerkennbar „erkannt" war, verlor sich das Erkenntnisziel ins Ungewisse: das Ziel war zwar nicht nichts, aber die Bewegung auf das Ziel hin, der Prozeß des Erkennens, war alles. Wie große Geister stets, so überspannte auch Maimonides den Bogen seiner idealen Forderung an den' Menschen: schöpferisches, ja audi nur selbständiges Denken in philosophischen und metaphysischen Fragen ist in Jahrhunderten nur den Wenigenbeschieden, kann nicht Zielsetzung für den Men* sehen allgemein sein. So hat das Personlichkeitsideal des Maimonides etwas Weltfremdes — bei einem Manne, der unvergleichlich intensiv in der Kleinarbeit des Tages stand, die ihm schließlich fast über den Kopf wuchs und bei der ihm der unstillbare, fast mystische Erkenntnisdrang vielleicht ein notwendiges seelisches Gegengewicht schuf. — Früher lernte ein Jude den Rambam kennen, indem er in ihm lernte: in seinem Ritualwerk, Mischne Tora, für das der „zweite Moses" stolz den Beinamen des 5. Buches Moses übernahm, im More Nebuchim, um den Generationen sich mühten und sich stritten. Wer liest heute Maimonides, außer den paar Berufsjuden? Die meisten von uns 156