Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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müssen aus zweiter Hand schöpfen« Es Ist für uns auch nicht einfach« uns in das philosophische Lehenswerk dieses Mannes zu versenken. Wir sind in der Mehrzahl politisch (in einem weiten Sinne) interessiert und nicht erkenntnistheoretisch« Aber die zentrale Rolle, die der Rambam schon zu Lebzeiten und alsdann durch den Kampf, der sich um seine religiösen Anschauungen entsponnen hat, im Gesamtjudentum gespielt hat, vermag auch den heutigen Juden in seinen Bann zu ziehen. Maimonides' außer jüdische Bedeutung erhellt, wenn man bedenkt, daß die Schöpfer der mittelalterlichen Hochscholastik, die gleich ihm die Philosophie des Aristoteles mit der biblischen Theologie zu harmonisieren suchte, daß Albertus Magnus und Thomas von Aquino von Maimonides abhängig waren, daß beim Mystiker Meister Eckehardt, daß aber auch noch bei Spinoza und Leibniz sein Einfluß festgestellt wurde. Wer nicht nur eine Biographie, sondern eine geistige Biologie des kraftvollen nationalen Volksmannes, des großen selbständigen Kritikers, des mutigen wissenschaftlichen Systematikers Moses ben Maimon lesen will, greife zu Abraham Heschels Maimonidesbuch (1935, 288 S.), mit dem der Verlag Erich Reiss eine neue dankenswerte Schriftenreihe „Judentum in Geschichte und Gegenwart" eröffnet hat. Der Leser dieser (bequem in einigen Stunden zu bewältigenden) Darstellung erlebt den besonderen Reiz, die Denkvorgänge des Rambam mit zu erdenken, ihn auf seinem geistigen Entwicklungsgang zu begleiten, wobei bei diesem rationalistischen Denker der, man möchte fast sagen; naive Glaube an Beweise und ein oft durchbrechender Hang zu mystischen Spekulationen besonders merkwürdig berührt. Heschels Buch bietet übrigens zugleich dem anspruchsvollen Leser die Möglichkeit, an Hand eines vorzüglichen Verzeichnisses der Quellen erster und zweiter Hand jeder Behauptung des Autors nachzugehen. Bruno Kirschner. Chaim Arfosoroff. Zum zweiten Todestag Hechaluz, Berlin, im Juni 1935. Gerade eine Kongreßperiode ist seit dem Tode Arlosoroffs vergangen, und die schmerzlichsten Erinnerungen werden an die Tage vor dem vorigen Kongreß wach. Die Histadruth hat bereits zum 1. Todestage die Arbeiten und Briefe von Arlosoroff in einem mehrbändigem hebräischen Werke herausgegeben. Für den hebräischverstehenden bestand also schon seit längerem die Möglichkeit, den Menschen, Zionist, Politiker und Wissenschaftler Arlosoroff kennen zu lernen. Der Typ Arlosoroff war nicht nur der Arbeiterschaft nicht ganz vertraut, sondern auch manchen von uns war er immer etwas seltsam. Wenn nunmehr der deutsche Hechaluz eine kleine Schrift herausgibt, die vor allem Aufsätze über ihn und zwei kleine Beiträge von ihm enthalten, so vermögen manche Daten, Einzelheiten aus seinem Leben, Skizzen und Charakterisierungen aus der Feder bekannter Zionisten und Repräsentanten der Arbeiterschaft, Arlosoroff zu deuten und uns ihn näher zu rücken. Die eigenartige Persönlichkeit ergibt sich sicherlich nicht zuletzt aus der Tatsache, daß Arlosoroff aus dem Osten stammte, aber noch als kleiner Junge nach Deutschland kam, wo er zur Schule und später auf die Universität ging. Dieser Zeit gilt der erste Beitrag in dieser Schrift „Arlosoroffs Jugendjahre". Ueber die Jahre, in denen er im deutschen Zionismus eine Rolle spielte, erfährt man leider in 157