Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Bundeslied („Wir bleiben treu, wir werden nicht verzagen") bezeichnenderweise die dritte Strophe („Von Land zu Land gehetzt hat man die Väter — Sie hielten aus in Leid und Todesqual — Drum Schmach und Schande über den Verräter — Der preisgibt feig der Väter Ideal'1) gestrichen wurde. Gänzlich fehlt in diesem Liederbuch noch der ostjüdische Einschlag, das Problem des Ostjudentums war noch nicht in den Gesichtskreis der deutschen Zionisten getreten, und so konnte sich Loewe im Vorwort entschuldigen, daß er deswegen die „jüdisch-deutsche Dialektdichtung" (jiddisch) nicht verwerten konnte, „weil die Richtung der Mundart sich der Schriftsprache nur allzu schwer anpassen läßt". In diesem ersten Liederbuch sind also schon keimhaft alle Elemente des modernen jüdischen Nationalismus enthalten: von der romantischen Schwärmerei für die Vergangenheit zum politischen Freiheitsgedanken eines nationale» Wiederaufbaues, von der tendenzhaltigen deutschsprachlichen Dichtung bis zum hebräischen Lied. Es fehlt aber darin fast völlig die Verbindung mit dem großen jüdischen Volkskörper des Ostens, den erst die nächste Generation im Weltkrieg richtig kennen lernte, und das Element der körperbewußten Jugend, wie ihn später der B1 a u - W e i ß, der M a k k a b i und der H e c h a 1 u z herausbildeten. Wie aber diese noch fehlenden Elemente allmählich die nationale Idee vervollkommneten, läßt sich deutlich an den späteren Liederbüchern ablesen. Antwort des PaL^Präsidiums an Ehr. Heinrich Strauss In der vorigen Nummer veröffentlichten wir einen offenen Brief von Bbr. Strauss, der in dem Mitteilungsblatt des Palästina- Kartells beantwortet wird. Die Antwort auf diesen Brief, soweit er den Vorschlag enthält, den Revisionistenbeschluß unverfänglich zu formulieren, ist in dem Einleitungsaufsatz des Präsidiums (in dieser Nummer des „JW." abgedruckt) bereits gegeben. Das ist eine Frage, deren individuelle Behandlung von Fall zu Fall eine Farce ist. Die Frage der Bodenspekulation hingegen könnte nur von Fall zu Fall individuell entschieden werden. Wann liegt eine schädliche „Bodenspekulation" vor? Nach Strauss schon immer dann, wenn jemand mehr Boden hat, als er für sich verwenden will. Das ist offenbar eine unmögliche Definition. Landkäufe auch nickt zu eigener Verwendung können durchaus produktiv sein. Die Entscheidung darüber, ob und wann ein solcher Kauf als „unmoralisch" zu werten ist, ist eine äußerst delikate Frage, die durch einen allgemeinen Beschluß überhaupt nicht zu beantworten ist Sie könnte nur ganz individuell vor einem Ehrenrat behandelt werden. Und wo es sich ergibt, mag das trotz aller Peinlichkeiten, die das in sich birgt, auch geschehen. Aber in diese Richtung schnüffelnd zu wirken, könnte zu Inquisition und schlimmster Moralriecherei führen. 155