Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Nebeneinanderstellung des jüdischen und deutschen Liederelemeats. Das jüdische Liederbuch, dessen Schöpfer Heinrich Loewe ist, blieb bis heute, da die nichtzionistischen Kreise ihre Ablehnung des im jüdischen Lied enthaltenen nationalen und gruppenbildenden Elementes bekundeten, Domäne und Aufgabe der Zionisten und des nationalbewußten Judentums. Daher kam es, daß mit dem Fortschreiten des Zionismus und mit dem Stärkerwerden des nationalen Elementes auch notwendigerweise der jüdische Liederschatz immer eindeutiger zionistisch und national-jüdisch bestimmt wurde. In schneller Reihenfolge erschienen bis zum Jahre 1898 fünf Auflagen des Loeweschen Liederbuches. Die letzte zeigt ganz deutlich die Forschritte, die der Zionismus seit 1894 gemacht hatte. Als Herausgeber fungiert jetzt die inzwischen entstandene „Zionistische Vereinigung für Deutschland" (Köln), und die Kräfte, die in ihr damals den maßgebenden Einfluß ausübten, sind auch hier deutlich sichtbar. Zu den ersten Bannerträgern des deutschen Zionismus gehörten die zionistischen Studentenverbindungen, über deren Geschichte Bbr, W. Groß vor kurzem an dieser Stelle berichtete. Ihr Einfluß läßt sich schon in der ersten Auflage des Liederbuches erkennen, besonders deutlich wird er aber in der fünften Auflage vom Jahre 1898. Im Laufe dieser fünf Jahre war der Judenstaat" erschienen, hatte Herzl die Zionistische Organisation geschaffen, war mit den Vorbereitungen zum ersten Kongreß begonnen worden. All dies übte seinen Einfluß auch auf die Zusammensetzung des Liederbuches aus. Loewe entschied sich für das kompromißlose Judentum gegen das Bindestrichjudentum, obwohl dieses Problem des deutschen Liedes im jüdisch-nationalen Verein auch späterhin noch von jeder Gruppe neu umstritten wurde. Infolgedessen mußten alle Lieder allgemeinen Inhalts (zumeist Studenten- und Trinklieder) verschwinden. Trotzdem nahm der Umfang des Liederbuches zu, denn an ihre Stelle trat ein ganz: neues Element: das liebräische Lied. Außerdem erfuhren auch die deutschen Lieder mit nationaljüdischer Tendenz eine Vermehrung. Mit dem hebräischen Lied begann ein Abglanz des wirklichen Palästina seinen Einzug in den deutschen1 Zionismus zu halten. Ueber das Lied, d. h. über die Jugend drang die hebräische Sprache wieder in das Judentum ein. Nicht mehr das Moaus Zur und nicht mehr das hebräische Gaudeamus stellten den hebräischen Teil dar, sie verschwanden völlig. Jetzt nahm bereits die offizielle Nationalhymne, die Hatikwah, den ersten Platz unter den sieben vorhandenen hebräischen Liedern ein, unter denen sich Trinklieder von Salomo ibn G a b i r o 1, David J e 11 i n u. a. sowie (das auch in das Blau- Weiß-Liederbuch und später in das Makkabi-Liederbuch übernommene) Chuschu achim chuschu befanden. Neue, heute vergessene Lieder aus Erez Israel (wie z. B. Rischon Lezion von Jomtob L. Scbalit und Schir Zion von Sara Schapira) vermischten sich seltsam mit den Trinkliedern aus Mittelalter und Neuzeit — wieder ein Beweis für den starken Einfluß der Akademikerschaft. Von diesen stammen die zahlreichen neuen Lieder der einzelnen studentischen Vereine, wie das Farbenlied des V. J, St. zu Berlin von dem unermüdlichen Heinrich Loewe, die Bundeslieder der „U n i t a s" in Wien, des akademischen Vereins „Gamala" zu Wien sowie der „Veritas". Die noch in der ersten Auflage enthaltenen Bundeslieder der Badenia (K.C.) fielen weg, obwohl das eine („Juden sind wir. wollen es bleiben bis in alle Ewigkeit") in das K.C.-Liederbuch nicht übernommen wurde, ebenso wie von dem anderen 154