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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 29

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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nach der Melodie des auch schon damals bekannten, von Dr. Feld gedichteten „Dort, wo die Zeder" gesungen] wurde; so die Bundeslieder der jüdischen Burschenschaft „Badenia" in Heidelberg (einer späteren KC.-Verbindung), die von ihrem Begründer Dr. M a x 0 p p e n h e i m e r gedichtet waren. Dies waren wohl die einzigen vorhandenen und wirklich schon gesungenen Lieder, die Heinrich Loewe verwenden konnte. Die vorher erschienenen, den Stempel völliger Assimilation auch im Titel tragenden „Israelitischen Gesangbücher für die Synagoge und Religionsschule", die mit Recht vergessen und verschollen sind, brachten überhaupt keine Lieder jüdischen Inhalts und noch weniger hebräische Texte: noch nicht einmal das Moaus Zur war in ihnen enthalten. Von dort her konnte ein Stoff also auch nicht genommen werden. So war der Verfasser gezwungen, zum größten Teil die Texte selbst zu schaffen, wobei nicht die Form, sondern die Tendenz das Ausschlaggebende war. Neben dem Herausgeber selbst, der auch die Pseudonyme L. Beujrda und Heinrich Schlesier benutzte, sind als Verfasser dieser neuen national jüdischen Lieder zu nennen: Nathan Birnbaum, M. I. Bodenheimer, Dr. Feld, Max Lewinsohn, Eduard Loewe und Wilhelm Perlmann. Von diesen Liedern setzten sich sogar einige durch, wie z. B. das Lied „Dort, wo die Zeder" und das später zum Bundeslied der „Unitas" in Wien gewordene, von 'Heinrich Loewe stammende „Auf mein Volk zu edlem Tun", Im ganzen enthält dieser erste und wichtigste Teil „Jüdische Lieder" 20 Texte (S. 10—40). Leichter war natürlich der II. „Allgemeine Teil" fertigzustellen, da hierbei nur aus den allgemein bekanntem Studenten-, Wein- und Wanderliedern auszuwählen war. Er war wohl für die damals entstehenden jüdischen! Verbindungen bestimmt, für die doch auch später noch die Trinklieder der deutschen Umgebung unentbehrlich waren. (Den einzigen Ausweg aus diesem Dilemma deutscher Trinklieder für jüdisch bewußte Studentenverbindungen hat m. W. merkwürdigerweise der orthodoxe Bund Jüdischer Akademiker (B.JA.) gefunden durch Herausgabe (Berlin 1914) eines Liederbuchs „Jüdischer Lieder", dessen hebräischer Teil hauptsächlich Trinklieder enthält. Diesem IL Teil (S. 41—60), in dem auch ein von Abraham Geiger übersetztes Trinklied von Salomo ben Gabiro! enthalten ist, folgt als III. Teil (S. 61—92) „Jüdische Gedichte zum Vortragen", deren Auswahl gleichfalls durch die palästinensische, zionsfneundliche Tendenz bestimmt war. Allerdings war hierfür die Beschaffung von Texten nicht so sehr schwierig wie beim I. Teil, da das Problem des heimatlosen und sein Vaterland suchenden Juden von jüdischen und nichtjüdischen Dichtern im 19. Jahrhundert oft zum Vorwurf genommen wurde. So finden wir unter den Dichtern in diesem Teil vertreten: Lord Byron (übersetzt von 'Heinrich Zirndorf), Julius Kossarski und Nikolaus Lenau, daneben selbstverständlich wieder Heinrich Loewe und mit einzelnen Gedichten Eduard Loewe, L. Posener, Israel Schwarz und den Jostbiographen (Heinrich Zirndorf. (Heinrich Heine ist im I. Teil mit seinem bekannten „Brich aus in laute Klage, du düstere's Märtyrerlied" vertreten.) Im Anhang dieses Liederbuches folgen die zwei bereits erwähnten hebräischen Moaus Zur und Gaudeamus igitur. Der Tendenz entsprach auch die äußere Ausstattung des in handlichem Format erschienenen Buches, dessen Einband mit zwei Davidsternen geschmückt war, zwischen denen zu lesen stand: „Für jüdische Vereine", Es war dem Freund des Verfassers, dem Agronomen Selig Soskin, einem bekannten Zionisten, gewidmet. Trotz aller Mängel und Fehler, die diesem ersten bewußt jüdischen Liederbuch anhaften mochten, ist es dennoch wegweisend für sämtliche später erschienenen Liederbücher geworden, sowohl in seiner Tendenz als auch in 153

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