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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 26

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Wenn im Einzelfalle mir ein Irrtum unterlaufen sein sollte, so ändert das nichts an meiner grundsätzlichen Kritik, Gross gibt ja den Tatbestand zu, er spricht sogar noch deutlicher von einem „Zustand der Versteifung und Erstarrung im Organisationsbetrieb, der bis zu einem gewissen Grade besteht". Daß in der ZVfD., an deren wichtigsten Stellen Bundesbrüder stehen, ähnliche Mängel empfunden werden, habe ich ja gewußt, und das gerade bestätigte die Richtigkeit meiner Ansichten, Es kommt aber eben darauf an, daß — um nur einen Punkt herauszugreifen — der Delegiertentag als eine Notwendigkeit für die zionistische Bewegung in Deutschland nicht nur in der „Beamtenschaft" (der Wunsch wurde sicherlich auf der Sitzung der Sekretäre nach der letzten Arbeitstagung geäußert. Es ist doch gerade interessant, daß auf der Tagung selber, im Plenum und in den Kommissionen, dieser Wunsch nicht zu hören war) empfunden wird, sondern vor allem in der breiten zionistischen Oeffentlichkeit. Gross fordert den Delegiertentag „um der politischen Erziehung der neugewonnenen Zionisten, ihrer Einführung in das innere Leben der zionistischen Bewegung willen". So stellt sich der Delegiertentag als eine gute Ortsgruppenveranstaltung dar. Er soll aber viel mehr sein. Gewissermaßen als Folge einer guten Ortsgruppenveranstaltung soll er letzter Ausdruck einer öffentlichen zionistischen Meinung sein, die unabhängig von Propaganda und dem Apparat der Organisation überall in der zionistischen Bewegung Deutschlands geschaffen werden müßte. Die Notwendigkeit einer solchen öffentlichen Meinung hier darzustellen ist nicht die Aufgabe. Wenn jeder KJV.er an seinem Platze und das KJV, als Ganzes sich dieser wirklichen Erziehungsarbeit am deutschen Zionismus annehmen wird, dann könnte das KJV, noch in der Zukunft mehr als ein „Apparat" sein. Daß es dies, zumdndestens heute in seiner Führung ist, darin ist Gross wohl zuzustimmen. Jakob Rosenberg, Der zionistische Gedanke im jüdischen Lied Von Bbr. Bernh. Brilling, Breslau. I. Daß das gemeinsame Singen von tendenzhaltigen Liedern außer der anfeuernden Wirkung auch gemeinschaftsbildende Kräfte erzeugt, ist in das Bewußtsein aller modernen politischen Bewegungen1, seien sie nationalen oder weltanschaulichen Charakters, übergegangen. Die Schaffung eines eigenen Liederschatzes vollzog sich in jeder Bewegung, die auf größere Mengen von Menschen, besonders aber auf die Jugend, bei der das Singen noch eine besondere Rolle spielt, wirken wollte. Auch unsere zionistische, nationaljüddsche Bewegung hat sich dieser Erkenntnis nicht verschlossen; seit den Anfängen ihrer bewußten Geschichte begleitet sie — in Deutschland wenigstens — das zionistische Liederbuch, das im vergangenen Jahr seinen 4 0. Geburtstag feiern konnte. Das Ghettojudentum kannte zwar (jiddische) Volkslieder und Niggunim und die Synagoge die chasonischen Gesänge, aber all dies entbehrte meist sowohl im Text als auch in der Melodie der kämpferischen Note, der Aktivität. Ebenso wie die religiöse Lyrik des Ghetto war auch seine Poesie der Haltung des Ghettojuden gemäß auf Warten und nicht auf Kämpfen, d. h. religiös und 150

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