Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Das aber sind wohl nicht die Punkte, auf die Rosenberg den größten Wert legt- Weit schwerer wiegt seine Anklage, die politischen Aktionen der ZVfD. litten an einem „Mangel an gedanklicher Vorbereitung und Ausreifung, wofür es in der ZVfD, heute weder Zeit, Menschen noch Gremien gibt." Nun ist sicher richtig, daß die heutige ZVfD. ein sehr großer Organismus ist, der ohne einen entsprechend dimensionierten Verwaltungsapparat bestimmt nicht mehr zu steuern ist. Unsere Bewegung ist großer geworden, sie nähert sich vom alten Typus einer auf freiwillige Gefolgschaft aufgebauten Organisation immer mehr einer staatsähnlichen Struktur. Es gibt wohl keinen Bundesbruder in der Meinekestraße — und noch sind die leitenden Männer dort fast alle Bundesbrüder, noch immer —, der nicht schmerzlich empfände, wie stark die Kräfte durch die Bewältigung organisatorischer Aufgaben, durch die Aufarbeitung der jeweils dringlichsten Verhandlungsgegenstände absorbiert werden. Es gäbe für gedankliche Vorbereitung und Ausreifung sowohl Menschen als auch Gremien, aber mit der Zeit darf heute leider nicht so verschwenderisch umgegangen werden wie einstens, da der deutsche Zionismus weder ein Palästina-Amt noch einen Hechaluz, weder Alijah noch Hachscharah, und noch nicht ein Zehntel der sonstigen Sorgen hatte, mit denen er heute belastet ist. Was kann geschehen? Ich würde es für sehr begrüßenswert halten, wenn das KJV. das Seinige täte, um den Zustand der Versteifung und Erstarrung im Organiastionsbetrieb, der bis zu einem gewissen Grade sicher besteht, etwas zu lockern. Heute tut es das nicht, und den der ZVfD. gemachten Vorwurf, sie sei vor allem ein Apparat, könnte man dem Kartell in seinem gegenwärtigen Zustande doppelt und dreifach zurückgeben. Würde es gelingen, ein neues Präsidium mit Menschen zu besetzen, die es als ihre ernsthafte Aufgabe empfinden — nicht aus der Gesinnung von Malkontenten, sondern aus dem Gefühl der eigenen Mitverantwortung —, an der Gestaltung der politischen Linie der ZVfD. durch eigene Beratungen, Prüfungen und konkrete Vorschläge mitzuwirken, würde der JW. das Sprachrohr dieser Bemühungen sein und dadurch wieder zu einer schlechtweg zionistisch interessanten Zeitschrift werden, würden die Altherren- Bünde in diesem Sinne den Kurs eines solchen Präsidiums durch ihre eigene Tätigkeit unterstützen, dann würde das Kartell ein Erhebliches leisten. Unser Leben ist nicht übermäßig reich an Traditionen und Verbundenheit. Von dem Wenigen davon ist das KJV. der größte und innerlich immer noch mächtigste Teil. Diese Tradition kann noch immer fruchtbar gemacht werden. Aber nie durch Kritik an der ZVfD., sondern immer nur durch Mitarbeit an ihren Aufgaben. Walter Gross. Bbr. Rosenberg nimmt im folgenden zu dem Artikel von Walter Gross Stellung: Die Antwort von Bbr. Gross ist mir etwas unverständlich, er kommt, wie mir scheint, mit im Grunde den gleichen Feststellungen zu demselben Ergebnis. Um Letzteres vorwegzunehmen. Nur den Gegnern der ZVfD. könnte meine Kritik dazu dienen, eine Entfremdung des KJV. von der ZO. zu konstruieren. Mir lag ja nichts anderes im Sinne, als dem KJV. die Bezirke in der ZVfD. aufzuzeigen, wo das KJV. noch eine Aufgabe zu erfüllen hätte und welche Kräfte und Mittel ihm dafür zur Verfügung stehen könnten. Also dasselbe was Gross verlangt. 149