Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Stimmungen sind wandelbar. Und wir haben Verständnis dafür, daß die Stimmung besonders in einem Augenblick gegen uns war, in dem endlich die große Befriedung zu kommen schien, nach der wir uns alle sehnen. Nur scheint uns, daß man das Ergebnis der doch von vornherein ziemlich zweifelhaften Friedensaktion hätte abwarten müssen, ehe man daraus ungerechtfertigte Schlußfolgerungen gegen uns zog. Von einer solchen Aktion war noch keine Rede, als wir unseren Beschluß faßten, und schon heute wieder ist nicht mehr die Rede von ihn Stimmungen sind wandelbar, aber das Prinzip bleibt. Und dies Prinzip besagt, daß wir im Zionismus keinen Kampf dulden wollen, der auf die Zerstörung der Organisation und ihrer Institutionen gerichtet ist. Die Reihe der Vereinbarungen zwischen Exekutive und Revisonismus hätte dann eine Aenderung unserer Voraussetzungen bedeuten können und damit zur Aufhebung unserer Beschlüsse führen müssen, wenn sich der Revisionismus in ihnen verpflichtet hätte, für ein Ziel im Rahmen der Organisation und nicht gegen sie zu wirken. Die technischen Einzelvereinbarungen sind< im Prinzip nichts anderes als Vereinbarungen, wie sie auch mit der Agudath Jisroel oder irgendeiner anderen außerhalb der Organisation stehenden Gruppe hätten getroffen werden können. Gerade die Notwendigkeit und die Form ihres Abschlusses zeigt das Vorhandensein von zwei grundsätzlich getrennten Lagern, während der Teil des Beschlusses, der die Einheit verwirklicht hätte, nicht zustande gekommen ist. Jabotinsky hat in Krakau wörtlich gesagt: „Man soll wissen, daß wir uns der zionistischen Disziplin nie und nimmer beugen werden." Und in einem Artikel vom 1. 2. 35 (in der Prager Zeitung „Der Judenstaat") schreibt er, man müsse sich selbst und den Gegner lehren, „daß heute zwei zionistische Organisationen bestehen und daß es noch eine Frage für die Zukunft ist, welche zum Schluß die stärkere sein wird." Und bezüglich der Fonds hat er in Krakau erklärt, daß es die Pflicht jedes Revisionisten sei, für den Keren Tel Chaj zu arbeiten, „dessen Aufgabe es ist, den Keren Kajemeth und den Keren Hajessod in einem zu ersetzen". Der Exodus der Revisionisten auf der Schluß-Sitzung des A.-C. liegt auf der gleichen Linie. Und ob nun die Ankündigung der Nichtbeteiligung am Kongreß nur ein Theatercoup oder ob sie ernsthaft gemeint war gleichviel: die Trennungslinie zwischen zwei zionistischen Welten ist in aller Schärfe gezogen. Es ist also alles beim alten geblieben. Die verhängnisvollen politischen Sonderaktionen werden weiter getrieben, und die eigenen Fonds sind dazu da, die nationalen Fonds der Organisation zu ersetzen. Es handelt sich hier nicht um die üblichen erlaubten Kampfmethoden innerhalb des Staates, der Organisation heißt, sondern um einen Kampf gegen diesen Staat zur Errichtung eines eigenen. Das Friedensabkommen also, das sowohl auf der Berliner Tagung wie in zahlreichen Briefen der Ausgetretenen (nach dem Austritt) ein immer wiederkehrendes Argument gegen uns lieferte, konnte dem Präsidium keine Veranlassung geben, seine Stellungnahme zu ändern. Das ist die formale Seite der Sache. Der formelle und der materielle Unterschied aber zwischen den Befürwortern unseres Beschlusses und seinen Gegnern (die es auch im hiesigen Kartell gibt) liegt in einem doppelten: in der Auffassung vom Wesen des Revisionismus und in der vom Wesen des Kartells. 141