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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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bleiben solle; aber die ganze Art, wie es praktisch vorging, bedeute doch eine bestimmte parteimäßige Festlegung, und mit der Idee, bei Präsidialwahlen nach Gesichtspunkten der Kongreßpolitik vorgehen zu sollen, konnten sich viele nicht befreunden. Hier gingen Foerder und Kanowitz zu weit. In Dingen der aktuellen Politik kann es nichts Halbes geben: entweder ist das KJV. politisch absolut neutral — dann darf es als Ganzes sich nicht auf ein bestimmtes Parteiprogramm festlegen —; oder es nimmt teil am politischen Kampf — aber dann geht ihm sein Eigenstes verloren. Die Parole der Politisierung hat geschadet, wenn sie auch als Stimulans die Kartelldiskussion vielleicht befruchtet hat. Aber das Leben des KJV. darf nicht nur in guten Diskussionen bestehen. Der Zusammenbruch des Blau-Weiß stellte dasf Kartell wieder vor eine schwere Frage: was sollte nun mit den älteren Blau-Weißen geschehen, die jetzt heimatlos geworden waren und die doch der zionistischen Arbeit in Deutschland erhalten bleiben mußten? Jetzt erlebte das KJV. eine späte Genugtuung. Jetzt kam die „Praktikantenschaft Blau-Weiß" von selber mit einem Fusionsvorschlag. Auf der Sommertagung in Bonn im August 1926 einigte man sich auf ein vorläufiges Fusioasabkommen. Jetzt erschien das Kartell als die aufnehmende Organisation, als die Rettung, wenn man sich nicht entschließen konnte, isoliert, als einzelner Zionist, seinen Weg zu gehen. Formal ist es zu einer regelrechten Fusion nicht gekommen. Aber einzeln und in kleineren Gruppen traten die studierenden Blau-Weißen in die Verbindungen ein. Blau-Weiß-Führer wurden als Burschen aufgenommen. Dieser, über einige Semester sich hinziehende Prozeß des Hineingehens und -Wachsens der Blau-Weißen ins KJV. ist aber dann von sehr großer positiver Bedeutung geworden. Das Kartell gewann Menschen, die gewohnt waren, in Gemeinschaft zu leben, und die, nun sie älter geworden waren, erstaunlich rasch in die spezifischen Traditionen des Kartells sich hineinfanden. Es gewann Menschen von umfassender europäischer Bildung, die imstande waren, den geistigen Kampf gegen die Assimilation erfolgreich zu führen. Es gewann zum ersten Male seit längerer Zeit eine Jugend, die, nun befreit von gewissen Eitelkeiten der Pubertätszeit, auch auf die Alt-Herrenschaft einen günstigen Eindruck machte. So entstanden 1927 Verbindungen, wie die Jordania-München, die wiedereröffnete Hasmonaea-Berlin, die mit geselligem Leben, wissenschaftlicher Arbeit, bundesbrüderlicher Haltung zum ersten Male eigentlich seit Kriegsbeginn wieder das Bild boten, das die Alt-Herrenschaft von «iner wirklichen KJV.-Verbindung sich bewahrt hatte. Die menschliche Regeneration des Kartells war intensiv genug, um auch ein wenig lebendiges Präsidium, wie es das 1927 gewählte war, überstehen zu können. Und in dem Maße, wie die Depression in Palästina abklang, die Agency in erreichbare Nähe rückte, nahm die innere und äußere Stärke des Kartells zu. Und als 1928 Richard Lichtheim und Kurt Tuchler mit einem Kreise jüngerer Bundesbrüder, die zum ersten Male an verantwortliche Stelle traten, das Präsidium übernahmen, setzte ein kontinuierlicher Aufstieg ein. Der JSt. erschien wieder regelmäßig, in Heidelberg und Freiburg, den so wichtigen Keil-Universitäten des Sommer-Semesters, kam wieder ein Verbindungsleben in Gang; sogar der BZK. trat wieder ins Kartell ein, und in Frankfurt im März 1929, wurde Lichtheim wiedergewählt, auch von der Richtung Foerder-Kanowitz-Paul Hirsch, die vor ihm die Führung innegehabt hatte und von ihm mit mancherlei Vorwürfen bedacht worden war. Als in Zürich, im August 1929, der Kongreß zusammentrat, und die Jewish Agency sich feierlich konstituierte, stand das KJV. wieder sicher und mutig, erfolgreich und hoffnungsfreudig da» 139

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