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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 14

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Entstehung und Entwicklung des K, ). V, Von Bbr. Walter Gross. (Schluß,) Erst mit dem Eintritt allgemeiner stabiler Zustände konnte man wirk« lieh an eine Aufbauarbeit herangehen. Die erste Verbindung, die wieder zu einem eigenen inneren Schwergewicht kam, war die Königsberger Maccabaea; ihr 20 jähriges Stiftungsfest im Februar 1924 bot zum ersten Male wieder das Bild eines KJV., das zionistisch tätig war und verstand, Feste zu feiern. Aus ihr waren die Bundesbrüder hervorgegangen, die allmählich immer stärker die Leitung des Kartells in die Hände nahmen, Herbert Foerder und Siegfried Kanowitz. Ihnen gelang, während Arthur Stein aus beruflichen Gründen die Mitarbeit immer weniger möglich wurde, ein ungefährer Neubau der Organisation, eine gewisse Belebung im Geistigen. Der Dresdner Kartelltag im Juni 1925 übertrug ihnen, als Präsiden und Vize-Präsiden, die Führung. Die Auspizien, unter denen die neue Periode des Kartells begann, sahen günstiger aus: der Rosenkranz-Bund war ins Kartell zurückgekehrt, die große IV. Alijah erfüllte die Zionisten mit Hoffnungsfreude. Wenn man auch eingesehen hatte, daß das Kartell als solches nicht Chaluziuth verlangen könne, so verstärkte sich doch die palästinozentrische Einstellung, es entstand ein Landesverband Erez Israel im KJV., man konnte hoffen, daß das Beispiel der Bundesbrüder, die ihre Alijah vollzogen hatten, erzieherisch wirken würde. Es war nicht die Schuld des neuen Präsidiums, daß die IV. Alijah zur Katastrophe führte, daß die schwere Arbeitslosigkeit im Lande entstand, die die Ziffer der Auswanderer die der Einwanderer übersteigen ließ, daß diese Depression begreiflicherweise auch auf den Zionismus der Golah wirkte und ihn in seinem Kampfe dort etwas ermatten ließ. Es konnte ihm nicht zur Last gelegt werden, daß Weizmanns erste Agency-Kampagne in Amerika erfolglos blieb. Es trug wahrhaftig keine Verantwortung dafür, daß der Blau- Weiß in Palästina scheiterte, in der Folge auch in Deutschland zusammenbrach. Aber alle diese Umstände verbreiteten im deutschen Zionismus eine Stimmung oder besser Mißstimmung, ja Psychose, gegen die nur sehr schwer aufzukommen war. Das Präsidium versuchte, mit der Parole der sogenannten Politisierung hier zu helfen. Man argumentierte etwa folgendermaßen: bisher erzog das Kartell ganz einfach zum „zionistischen Staatsbürger"; das kann nicht mehr genügen, der Aufbau des Landes läßt spezifische Probleme entstehen, die eine bestimmte Entscheidung verlangen, für die zionistisches Staatsbürgertum allein nicht befähigt; dieses Staatsbürgertum ist die selbstverständliche Grundvoraussetzung, aber sie genügt nicht allein. Lebendig kann das KJV. nur bleiben, wenn es zu allen Fragen des Aufbaus politisch Stellung nimmt. Keineswegs sei es wünschenswert, das Kartell parteipolitisch festzulegen und es in die jeweils aktuellen Streitigkeiten der Tagespolitik zu verstricken; aber zu den kardinalen Fragen müsse es als politischer Organismus politisch Stellung nehmen. Aus dieser Anschauung heraus erließ das Präsidium Aufrufe, 1925 bei den Kongreßwahlen für das Programm der ZVfD. einzutreten, und führte als Präsidium des KJV. einen Kampf gegen den damals im Entstehen begriffenen Revisionismus. Das war doch bedenklich. Zwar versicherte es, daß jeder KJV.er in seiner persönlichen innerzionistischen Entscheidung frei sein und 138

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