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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 13

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Palästinakunde: Bei dem deutsch-Jüdischen Bund sind in 75 % aller Fälle keine palästinakundlichen Kenntnisse angegeben, während bei dem zionistischen Bund in allen Fällen allgemeine Palästinaschulung, in etwa 60 % der Fälle eine ins Einzelne gehende Orientierung zu verzeichnen ist. Gegenwartskunde: Bei dem deutsch-jüdischen Bund überwiegt eindeutig die Befassung mit dem Problem des deutschen Judentums, mit seiner Presse, seinen Organisationen, seinen sozialen und kulturellen Einrichtungen. Dazu kommen in Ausnahmefällen Kenntnisse über das westeuropäische Judentum, sowie vereinzelt Befassung mit den Problemen des Ostjudentums. Bei dem zionistischen Bund ist die Kenntnis der Probleme des deutschen Judentums mit gleicher Intensität verbreitet wie die Kenntnis der Fragen des Ostjudentums. Dieser Querschnitt zeigt nur den gegenwärtigen Bildungsstand der beiden Typen von Bünden, der aber mittelbar einen Hinweis für die jeweilige Ausrichtung der bündischen Bildungsarbeit darstellt. Daran wäre die Frage zu knüpfen, ob die Beschränkung der Bildungsarbeit des Bundes deutsch-jüdischer Jugend auf speziellere Fragen gegenüber dem zionistischen Bund ideologisch begründet ist, oder ob der deutsch-jüdische Bund erst jetzt eine Erweiterung seiner Bildungsarbeit auch nach dem Bildungsstoff vornimmt. Bei dieser Erweiterung ist insbesondere an Gegenwartskunde, Geschichte und Bibel zu denken, Gebiete, die in der Bildungsarbeit des deutsch-jüdischen Bundes auch in stärkerer Intensität als bisher vertieft werden sollten, während Hebräisch und Palästinakunde, die auch von dem deutsch-jüdischen Bund bearbeitet werden, wohl aus ihrer unmittelbar praktischen Bedeutung für den zionistischen Bund bei diesem wesentlich stärker im Vordergrund der Bildungsarbeit stehen. Bemerkenswert ist bei beiden Bünden das starke Interesse an gesellschaftswissenschaftlicher Schulung, bei dem deutsch-jüdischen Bund außerdem der Versuch, auch über die neueste Entwicklung Deutschlands sich mittels der wichtigsten literarischen Neuerscheinungen zu informieren. Die Frage nach der sportlichen Betätigung ergab folgendes Bild: Bei dem deutsch-jüdischen Bund wurde in zwei Dritteln der Fälle Sport getrieben, davon je die Hälfte privat bzw. in einer Sportorganisation. Bei den zionistischen Bünden war überwiegend eine Sportbetätigung festzustellen, jedoch nur in einer bemerkenswert geringen Zahl in einer Sportorganisation. Wenn diese Daten auch noch überprüft werden müssen, so läßt sich vielleicht doch Eines festhalten: daß bei der bündischen Jugend nicht schlechthin die Sportarbeit in Sportorganisationen erfolgt, sondern in überraschendem Ausmaß privat oder innerbündisch; dies läßt die Frage auf werfen, ob die jüdischen Sportorganisationen den bündischen Voraussetzungen bereits entsprechen, oder ob sie in Bezug auf den Jugendsport eigene Formen ausbilden können. Dieser vorläufige Einblick in die Erhebung über den Bildungsstand der jüdischen Jugend soll nicht verallgemeinert werden. Schon jetzt läßt sich aber sagen, daß der bündischen Bildungsarbeit wesentliche Aufgaben gestellt sind, die bis jetzt nicht immer so gelöst werden konnten, daß der von den Bünden hervorgebrachte Menschentypus mit einem genügenden bildungsmäßigen Rüstzeug versehen werden konnte. Dies ist natürlich eine Frage der Bildner, also eine Führerfrage der Bünde, und zugleich mittelbar eine Frage der Führerschulung. Auf diese Frage der Führerschulung soll in einem weiteren Beitrag eingegangen werden. 137

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