Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn auch mit aller Vorsicht, feststellen, daß (ausgehend von der Berufsstruktur des Vaters) gewisse soziale Differenzierungen zwischen den beiden Bünden deutlich werden. Es gibt zwar auch bei dem deutsch-jüdischen Bund Fälle, in denen Handwerkerkinder den Weg des Bundes gehen, Ueberwiegend ist aber hier kaufmännisches und akademisches Berufsmilieu der Eltern, häufig in bisher gehobener Stellung, Demgegenüber finden sich bei dem zionistischen Bund mehr Jugendliche von Eltern in gehobener Berufsposition, auch mit höherer Schulbildung als bei dem deutsch-jüdischen Bund Jugendliche nichtbürgerlicher Schichten und mit reiner Volksschulbildung, Es kann daraus geschlossen werden, daß die soziale Struktur des deutsch-jüdischen Bundes einheitlicher, einem engeren Berufskreis entsprechender ist als bei dem zionistischen Bund, bei dem aber das Berufsziel der jungen Menschen bestimmter und einheitlicher ist als bei dem deutsch-jüdischen Bund, Der Bildungsstand wurde zu erfassen gesucht an Hand spezieller Fragen über die hebräischen Kenntnisse (Lesefertigkeit von Gebetstexten, mit Uebersetzungsfähigkeit, der Bibel, des nachbiblischen Schrifttums, von modernen Texten, Sprechfertigkeit auf Grund von Quellenstudium oder durch Erlernen der Umgangssprache), die Bibel und das Schrifttum, jüdische Geschichte, Palästinakunde und allgemeine Gegenwartskunde, Ein erster Allgemeineindruck bei Auszählung der Fragebogen und bei der Beachtung der individuellen Art der Beantwortung ergibt Folgendes: Hebräisch: Bei dem deutsch-jüdischen Bund waren in etwa einem Drittel der untersuchten Fälle so gut wie keine hebräischen Kenntnisse vorhanden. In ganz wenigen Fällen konnte Lesefertigkeit mit Uebersetzungsfähigkeit und, wenn überhaupt, Sprechfertigkeit auf Grund von Quellenstudium festgestellt werden. Bei dem zionistischen Bund waren nur in einem Fall ungenügende Kenntnisse im Hebräischen gegeben, während in einem Fünftel der Fälle neben Lese- und Uebersetzungsfähigkeit auch Sprechfertigkeit festgestellt werden konnte. Die restlichen Antworten zeigen, daß die hebräische Schulung bei dem zionistischen Bund erhebliche Fortschritte gemacht hat, Bibel und Schrifttum: Bei dem zionistischen Bund ist eine über inhaltliche Kenntnis hinausgehende Befassung mit der Bibel im Urtext — wenn auch nicht in der überwiegenden Zahl der Fälle —• festzustellen. Immerhin gibt es eine beträchtliche Anzahl von Bundesmitgliedern, die eine nur sehr oberflächliche Kenntnis der Bibel haben (etwa ein Sechstel der Fälle). Bei dem Bund deutsch-jüdischer Jugend überwiegt die inhaltliche Kenntnis einzelner Bücher der Bibel ihre exakte quellenmäßige Beherrschung, Immerhin gibt es kaum einen Fall, in dem die Frage nach der Kenntnis der Bibel nicht — wenn auch in verschiedenem Umfang ■— positiv beantwortet worden wäre. Geschichte: Der Intensität der Geschichtsquellen nach, die in verschiedenen Rangstufen von einer rein periodischen Geschichtsübersicht bis zur spezifischen Kenntnis einzelner Geschichtsperioden gegliedert wurde, zeigt sich, daß der deutsch-jüdische Bund eine im Sinne dieser Rangordnung spezifische Kenntnis einzelner Perioden nur in etwa 8 % der Fälle aufzuweisen hatte, der zionistische Bund hingegen in etwa 55 % aller Fälle eine Kenntnis, die über die reine Uebersicht über die Zeiträume hinausgeht. Dem Inhalt der spezifischen Geschichtsperiode nach ist bei dem deutsch-jüdischen Bund das Emanzipationszeitalter, beim zionistischen Bund die Geschichte des Ostjudentums vorherrschend. 136